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"Bei meiner Arbeit entstehen auch Kunstwerke" - Fotograf Wilfried Beege im Interview

 

BF: Was ist für Sie das Tolle am Beruf, warum sind Sie Fotograf geworden?
Wilfried Beege: Fotografie ist seit meinem 12. Lebensjahr ein Lebensinhalt für mich. Seit ich meine erste Kamera geschenkt bekam, interessierte ich mich für so gut wie nichts Anderes. Es sei denn, es hatte direkt etwas mit Fotografieren zu tun. Meine Motive waren zum Beispiel der Schulchor, die Klassenfahrt, Landschaften, Pflanzen, Abizeitungsthemen und Mädchen.
Auch die 68er Jahre habe ich meist versteckt hinter meiner Kamera verbracht. Zum späteren Jobben in den Kellertheatern Münchens und den Gemäldegalerien der Stadt kam es nur durch meine Fotografie. So brachte mir mein Hobby ein ziemlich aufregendes Leben ein. Das finde ich immer noch toll!

 

BF: Welche fotografische Ausbildung haben Sie und seit wann sind Sie als Fotograf selbstständig? Wie schnell kamen die ersten Aufträge?
Wilfried Beege: In den Gymnasiumszeiten war ich in einem Foto- und Filmklub in Straubing, in Niederbayern. Mein immenses Interesse für Fotografie hat mich zur bayerischen Staatslehranstalt für Fotografie in München gebracht. Zum Leidwesen meiner Mutter, die mich gerne im Pädagogik-Studium gesehen hätte. Dort musste ich das für einen einfachen Beamtensohn ziemlich kostspielige Studium durch Nebenjobs mitfinanzieren.
Ich hörte nachts den Polizeifunk, um die 3 Tageszeitungen mit Fotos des Geschehens zu bombardieren. Ab und zu haben die auch ein Bild gekauft. Tagsüber habe ich die Monatsaufgaben für mein Studium erarbeitet, für Vernissagen Gemälde reproduziert. Das war eine sehr intensive Zeit und ich lernte hoch konzentriert und fokussiert zu arbeiten. Ich war damals bereits quasi selbstständig.

 

BF: Gibt es einen Bereich in der Fotografie, in dem Sie besonders gerne arbeiten? Was reizt Sie gerade an diesem Bereich und wie kam es dazu?
Wilfried Beege: In meiner Laufbahn waren es viele Bereiche, die mich begeistert haben. Anfangs war es Streetphotography: Leute beobachten und unbemerkt fotografieren. Dann kam Theater-Fotografie. Das brachte mich an die Kellertheater Münchens zu Rainer Werner Fassbinder. Und natürlich Portraits, oder wie ich es nenne, “Menschenbilder”. All das findet sich auch in meiner Modefotografie wieder.
Auf einen Zettel am Schwarzen Brett meldete ich mich im BURDA-Verlag. Voilà, ich war kurz darauf in der mir völlig fremden Glamourwelt! Aber als Angestellter. Die suchten jemanden, der das Handwerkliche voll drauf hat und dem zwar unglaublich Menschen gewandten, aber technisch unbedarften Studiochef die richtige Belichtung und Beleuchtung hinstellte. Ich hatte zwar die Fotoschule als Klassenbester absolviert, hatte damals aber im korrekten Belichten eines Diapositivs nicht viel Übung, geschweige denn von einer modernen Blitzanlage oder gar einem Polaroid Rückteil.
Die Zeit dort war wie die fetten Jahre nach der Dürre. Ich konnte Geräte und Material „verbraten", soviel ich brauchte. Das war Experimentieren und Probieren nach Herzenslust. Ich habe mich da in kürzester Zeit zum Experten in Mode und Beauty hocharbeiten können, dafür bin ich der Verlegerin immer dankbar gewesen. Und - ganz wichtig: Ich hatte die Möglichkeit für mich und meine Familie ein Nest zu bauen. Meine 5 Töchter sind ein eindrucksvolles Zeugnis für ein gelungenes privates Leben, ohne das der schönste und ausgefüllteste Beruf nicht viel wert wäre. Das ist für die jungen Leute heute leider oft völlig anders.

 

BF: Welche waren Ihre zwei schönsten Aufträge und warum?
Wilfried Beege: Darüber habe ich mir zuvor noch nie Gedanken gemacht, denn ich liebte alle meine Aufträge: Vom Parfümflakon bis hin zur Babycreme, vom Brathühnchen für das Kochstudio bis hin zum Actionfoto bei Sportevents, von Kosmetikproduktionen bis hin zu den Laufstegen von Paris und Mailand - alles hatte seinen Reiz.
Wenn ich es mir jetzt überlege, waren die Modeschöpfer mit ihren Starmodels auf den Catwalks eine tolle Herausforderung: Mit den unglaublichsten Kontrasten und unmöglichsten Beleuchtungen muss der Fotograf da zurechtkommen, aber das war mir eine leidenschaftliche Herausforderung. Auch die Auseinandersetzungen im Pulk der Fotografen, die um jeden Zentimeter kämpften, um den Blick der Starmodels zu erhaschen, war ein süchtig machende Erfahrung. Ich war anfangs einer der Wenigen, die mit ihren lichtstarken 300ern und dem Monopied ganz hinten am Laufsteg warteten. Und die Supermodels suchten unsere Linsen, denn sie wussten genau, dass wir die Headshots machen. Ich habe so manchen “Harper’s Bazar”- oder Cosmopolitan-Titel life vom Laufsteg veröffentlicht.

 

BF: Sehen Sie sich als Künstler und die Fotografie als Berufung oder ist das ein ganz normaler Job für Sie?
Wilfried Beege: Ich bin da eher pragmatisch. Meine Arbeit an sich erfordert oftmals künstlerische Fähigkeiten, um den Job für den Kunden optimal auf die Reihe zu bekommen. Ein ganz normaler Job ist das nie. Dass bei meiner Arbeit auch Kunstwerke entstehen, sehe ich oft erst später mit einem gewissen Abstand.

 

BF: Wie wird man als Fotograf erfolgreich und wie behauptet man sich möglichst lange?
Wilfried Beege: Erfolgreich? Was ist das denn schon? - Ist man erfolgreich als Fotograf, wenn man genug Geld verdient, um sich ein Leben in Saus und Braus zu leisten? Ist man erfolgreich, wenn man massenweise Awards bekommt und in der einschlägigen Werbepresse ständig präsent ist?
Oder ist es bereits erfolgreich, wenn Kunden über Jahre hinaus gerne wieder bei einem buchen? Ist es Erfolg, wenn ein Fotograf sein Wissen möglichst Vielen weitergeben konnte und viele Assistenten heute selber gut im Job sind? Ist es Erfolg, wenn Avedon mit 80 immer noch sein Ding durchzieht?
Oder ist es Erfolg, wenn ein Fotograf 45 Jahre lang hunderte von Zeitschriften bebildert hat und sich - wie ich - seinen Lebensabend nur noch mit ein paar fein verlesenen Jobs würzen kann, Menschenbilder sammelt und plant in einem open space Newcomern und Interessierten am Job Hilfestellung zu bieten?

 

BF: Was dürfen Kunden von Ihnen erwarten, wenn Sie gebucht werden? Was zeichnet Ihre Fotografie aus?
Wilfried Beege: Eine gute Recherche von Team, Location und Zielgruppe. Und ein guter menschlicher Umgang im Team sowie Empathie mit den Menschen am Set. Dann noch Organisationstalent, mit dem ich so gut wie jeder Lichtsituation gewachsen bin. - Meine Liebe und Begeisterung für den Beruf sind Garanten für meine Arbeit.
Außerdem kann man von mir saubere Technik erwarten, wenn sie gefragt ist. Heute wird auch öfter „unsaubere“, ja schon fast amateurhafte Technik verlangt, die muss dann aber gekonnt inszeniert sein. Oder auch Handylook in perfekter Druckvorlage. - Meinem Stil entsprechen eher authentisch wirkende Situationen in spontanen Momenten. Das Ziel meiner Fotos ist Natürlichkeit und Lebensnähe.

 

BF: Welchen Weg raten Sie jungen Menschen, die heutzutage Fotograf werden wollen?
Wilfried Beege: Es ist heutzutage unglaublich schwer, in diesem Beruf richtig erfolgreich Fuß zu fassen. Entweder man hat finanzielle Hilfe von zu Hause und kann von Anfang an aus dem Vollen schöpfen oder man muss von der Fotografie besessen sein und hart, sehr hart, arbeiten.
Aus eigener Erfahrung kann ich den Weg über ein Studium empfehlen, damit von Anfang an ein gewisser künstlerischer Anspruch vorhanden ist. Und danach geht es los mit dem „Frondienst“ durch die Fotostudios. Da gilt es, bei möglichst guten Fotografen anzuklopfen und Biss zu haben. Wer Glück hat, findet einen guten „Lehrmeister", für den es sich lohnt, voll da zu sein. Dann kann man bei dem erst mal bleiben, bis man alles verinnerlicht hat. Am besten in einer großen Stadt. Das mag mit Entbehrungen verbunden sein, aber ohne Begeisterung für den Job geht da nix!
Manchmal sieht es nach Ausbeutung aus, aber wenn der Fotograf, von dem man lernt, sehr gut ist, ist das eine gute Investition. Grundlage aber soll sein: Selber fotografieren, fotografieren und nochmals fotografieren. Ein Fotograf muss unglaublich vielseitig sein. Selbst ein Psychologie-Studium wäre eine gute Grundlage für die Anforderungen des Jobs oder Lastwagenfahrer, Koch oder Mechaniker. Es gibt nichts, was bei einem Fotoshooting nicht von Nutzen sein kann!

 

BF: Was macht ein Bild für Sie zu einem guten Foto?
Wilfried Beege: Ein gutes Bild muss Gedanken evozieren, Illusionen bieten und Spielraum für eigene Interpretationen lassen. Oder es muss packen, interessieren und Emotionen bewirken. Mitunter kann es auch nur ganz schlicht in seiner Einfachheit wirken und … Freude bereiten.

 

 

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