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Vom Fotografen zum Videofilmer - welche Chancen bietet der Filmbereich? Im Gespräch mit Olaf Jahnke

Olaf Jahnke lebt bei Frankfurt und hat schon vor über 20 Jahren von der Fotografie in den Filmbereich gewechselt. Wir haben mit ihm über seine Erfahrungen und die Chancen gesprochen.




BF: Herr Jahnke, Filme werden immer wichtiger und viele Fotografen überlegen, Ihr Angebot zu erweitern. Wie sind Sie vom Fotografen zum Kameramann geworden?

Olaf Jahnke: Bei den Kameraleuten der alten Generation arbeiteten ja viele vorher auch schon als Fotograf. Das ist also immer schon eine naheliegende Weiterentwicklung gewesen. Ich habe eine handwerkliche fotografische Ausbildung in einem auf Reportage spezialisierten Betrieb absolviert. Wir hatten 5 Fotografen und 10 Laboranten.
Ein wichtiger Punkt war damals für mich, langfristig eine Perspektive im Beruf zu haben. Schon 1987 wurden die Honorare für Zeitungsfotografen nicht mehr angehoben und auch in der Eventfotografie wollte damals kaum noch ein Auftraggeber Geld für einen professionellen Fotografen ausgeben.
Ich habe mich dann bei der FAZ beworben und 1987 meine ersten Jobs als Kameraassistent gemacht. Im Filmbereich ist das ein gleitender Prozess. Man fängt als Assistent an und lernt dann nach und nach im Job das Wichtige. Angefangen beim Ton über die Vorgänge von der Planung bis hin zum Schnitt.


BF: Welche typischen Fehler machen Fotografen beim ersten Videodreh?

Olaf Jahnke: Ich höre öfter von Fotografen, die zum Beispiel bei einem Event neben den Fotos auch einen kurzen Film drehen möchten. Der Fotograf filmt dann meist einzelne Clips und fügt die zusammen. Erst danach merkt er, dass es damit noch lange nicht getan ist. Denn ohne dass er sich mit dem Thema Dramaturgie auseinandergesetzt hat, bleibt das eine Diashow mit bewegten Bildern. Auch die Gesetzmäßigkeiten im Schnitt sind vielen Fotografen natürlich fremd.


BF: In der Hochzeitsfotografie bieten viele Fotografen auch heute schon Film an.

Olaf Jahnke: Da ist die Dramaturgie auch klar, man braucht kaum O-Töne und man kann das Ganze einfach mit Musik unterlegen. Musikrechte sind generell ein großes Thema im Videobereich.
Für viele Filmer sind Hochzeiten zudem nicht sehr interessant, weil der zeitliche Aufwand schon bei der Aufnahme sehr hoch ist. Über die Jahre hat sich bei meinen Jobs ein Verhältnis ergeben, bei denen ich 25% Zeit für Planung, 25% für Filmen und 50% für die Postproduktion aufwende. Alleine mit dem Schnitt ist es ja auch nicht getan. Da braucht es Vor- und Abspann, Grafikeinblendung, Effekte und den Ton.


BF: Gibt es noch andere Fallstricke, wenn man sich an das Thema wagt?

Olaf Jahnke: Viele Kunden erwarten, dass sie ein fertiges Produkt bekommen und das können viele Fotografen derzeit nicht liefern. Einen Film zu produzieren ist komplex. Fotografen neigen anfänglich auch dazu, einfach viel zu lange Szenen zu zeigen. Profis, die einer Dramaturgie folgen, schneiden häufig nur ganz kurz. Und wie schon gesagt: Gerade der Ton wird oft völlig unterschätzt.


BF: Sie sagten, dass sich die Situation für Pressefotografen schon Ende der 80’er verschlechterte.

Olaf Jahnke: Früher hatte ein Pressefotograf 3 oder 4 Termine am Tag. Ich kenne heute Kollegen, die jeden Tag durch die Stadt hetzen und 10 Termine täglich besuchen, um Ihr Einkommen zu sichern. Die Situation hat sich in diesem Bereich massiv verschlechtert und da merke ich, dass ich damals die richtige Entscheidung getroffen habe.


BF: Die Konkurrenz im Filmbereich dürfte doch auch zunehmen?

Olaf Jahnke: Natürlich ist auch hier ein Konkurrenzdruck spürbar. Vor allem da die Einstiegskosten nicht mehr wie vor einigen Jahren so hoch sind. Vor mini DV oder bandlosen Aufnahmeformaten hat eine Ausrüstung immer über 100.000 DM gekostet. Heute sind die Kosten mit einigen tausend Euro eher überschaubar und gerade im Journalismus hat sich das natürlich bemerkbar gemacht. Waren früher zudem immer dreiköpfige Teams unterwegs, sieht man heute oft auch nur einen Einzelnen, der zum Beispiel einen Beitrag für ein Regionalmagazin macht.


BF: Sie arbeiten im Bereich Imagefilm: Wer sind Ihre Auftraggeber?

Olaf Jahnke: Früher hieß der Imagefilm Industriefilm und das hört sich zum einen schon teuer an, zum anderen verdeutlicht es, um welche Kunden es da ging. Meist haben große Unternehmen diese Filme dann auf Messen gezeigt.
Seitdem es schnelles Internet gibt, ist Video auch für kleinere Firmen interessant. Da wird es sicher auch in Zukunft noch ein Wachstum geben, auch die Endverbraucher erwarten in vielen Bereich heute Videos. Sei es auf der Internetseite als Produkterklärung oder als Imagefilm. Ich arbeite somit meist für Industriekunden oder mittelständische Unternehmen und drehe Filme vom Imagefilmen für ein Unternehmen über die Eventbegleitung auf Veranstaltungen bis hin zu Filmen, die dann als Visualisierung von Produkten eingesetzt werden. Gerade für Hersteller ist Video eine sehr gute Möglichkeit, Produkte zu erklären. Mit einem Video kann man relativ günstig verdeutlichen, wie ein Produkt funktioniert und damit sehr viele Menschen erreichen. Das ersetzt sicher die eine oder andere Bedienungsanleitung und entlastet die Hotline.


BF: Wo sehen Sie die Zukunft im Filmbereich? Haben sich neue Marktfelder ergeben?

Olaf Jahnke: Bis vor einigen Jahren dachte ich, dass durch das Internet im Journalismus ein Markt für Filmer entstehen würde. Aber dort wird derzeit auch kaum Geld angefasst und viel über Agenturen abgewickelt.
Mittlerweile sehe ich die Chancen eher darin, dass viele Firmen zukünftig Bedarf haben werden. So gibt es ja jetzt schon Angebote wie BMW-tv, die dem Kunden schon knapp 1000 Filme rund um ihre Produkte anbieten.
Die Leute wollen zudem authentische Videos und das ist ein großer Vorteil zur Fotografie. Eine Geschichte kann man weit einfacher im Film vermitteln.


BF: Also werden viele Unternehmen zukünftig eigene Filmkanäle haben?

Olaf Jahnke: Bestimmt. Wobei Werbefilme natürlich nicht immer das sind, was Kunden dann auch gerne sehen möchten. Aber bei Events, wie der DTM ist sicherlich ein hohes Interesse der Fans an Berichten und Videos rund um die Veranstaltung gegeben. In solchen Bereichen ist Video ein gutes Werkzeug zum Marketing und Firmen werden es immer stärker einsetzen.


BF: Wie kann man sich Ihrer Meinung nach heute am Besten als Fotograf oder Filmer behaupten?

Olaf Jahnke: Man sollte immer versuchen, sich vom Markt abzuheben und natürlich sich stetig weiterentwickeln. Das heißt natürlich auch, dass man ein offenes Ohr für Kunden haben muss. Welche Dienstleistungen werden gewünscht und wie kann ich die Wünsche meiner Auftraggeber möglichst gut erfüllen.
Zudem muss man gut vernetzt sein. Es ist immer wieder erstaunlich, dass häufiger Filmer oder Fotografen für Aufträge gebucht werden, obwohl sie einige Hundert Kilometer entfernt sind.


BF: Mit welcher Technik arbeiten Sie hauptsächlich?

Olaf Jahnke: Ich arbeite mittlerweile mit einer Blackmagic Cinema http://www.blackmagicdesign.com Filmkamera. Im Vergleich mit den Canon Kameras bietet mir diese eine Auflösung von 2.5K, sodass ich später in ein Bild reinzoomen kann. Gerade auch in der Anpassung an mein Schnittsystem bietet die Kamera viele spezielle Einstellungen, die die Arbeit erleichtern. Und nicht zuletzt ist der Kontrastumfang weit höher und somit die Bildqualität einfach ausgewogener.


BF: Sehen Sie für Fotografen einen Zwang oder eine Chance, auch Film mit anzubieten?

Olaf Jahnke: Der Markt im Filmbereich ist genauso wie in der Fotografie gut besetzt. Sollten jetzt wirklich viele Fotografen in den Filmbereich wechseln, wird das kaum zu einer Verbesserung der Bedingung für Fotografen führen. Video oder Film wird zudem immer aufwendiger bleiben und gerade die Zeit der Nachbereitung wird von vielen anfänglich stark unterschätzt. Wenn man als Fotograf Film und Filmproduktion nur nebenbei und zusätzlich zum Tagesgeschäft machen möchte, wird man es schwer haben, sich überall ausreichend einzuarbeiten.

Eine Option für Fotografen wäre, eine Kooperation mit jmd einzugehen, der den Schnitt übernimmt. Dann kann der Fotograf dem Auftraggeber einen fertigen Film liefern und zudem auch Einfluss auf das Ergebnis nehmen. Ich arbeite für einige Fotografen in diesem Modell und das klappt ganz gut.


BF: Sie übernehmen dann also die Produktion des Filmes?

Olaf Jahnke: Die Fotografen, für die ich das mache, kennen Ihre Grenzen. Bei einfachen Jobs schneiden Sie den Film meist selber mit Premiere. Wenn es komplizierter wird und beispielsweise Ton dazukommt, komme ich dann ins Spiel. Viele Fotografen wollen sich einfach auch nicht mit Schnitt und der ganzen Technik dahinter befassen.


BF: Sie geben auch Seminare für angehende Filmer.

Olaf Jahnke: Als Fotograf muss man vor allem erst einmal lernen, eine Videoproduktion zu planen.
Ich habe in den letzten Jahren einige Seminare in Frankfurt gegeben, in denen ich meine Erfahrung mit der Videoproduktion weitergegeben habe. Da waren ungefähr 30 % Fotografen und 60% Journalisten. Rückblickend betrachtet sind viele der Fotografen im Anschluss dann doch bei der Fotografie geblieben.


BF: Benutzen Sie Stockmaterial für Ihre eigenen Filme?

Olaf Jahnke: Bisher nicht, ich denke aber darüber nach, selber Material über diese Anbieter zu vermarkten. Ob sich das dann am Ende rechnet, bin ich unsicher.
Man muss sich dann sicherlich noch viel stärker darauf konzentrieren, was gerade gefragt ist und zumindest zeitlich geht das sicher zu lasten von schönen Jobs.


BF: Was würden Sie Fotografen raten, die im Bereich Film starten möchten?

Olaf Jahnke: Sicherlich hilfreich wäre es, den einen oder anderen Kurs zum Thema Dramaturgie und Schnitt zu besuchen. Egal mit welcher Kamera, ohne Videostativ geht es zudem einfach nicht. Ansonsten würde ich jedem raten, so einfach wie möglich anzufangen. Sicher sind Dollys, steady cam oder slider schön, aber man sollte erst einmal die Grundlagen sicher beherrschen.


BF: Benötigt man eine Ausbildung, um in dem Bereich erfolgreich sein zu können?

Olaf Jahnke: Nein, sicher nicht. Aber sie ist durchaus vorteilhaft. Kameramann ist ein ungeschützter Beruf aber genauso wie in der Fotografie muss man den Job beherrschen, um erfolgreich im Markt agieren zu können.


BF: Haben Sie den Schritt von der Fotografie in den Film einmal bereut?

Olaf Jahnke: Ich fotografiere immer noch gerne, bin aber glücklich im Bereich Film. Wirtschaftlich gesehen bin ich im Film besser aufgehoben.


BF: Vielen Dank für das Gespräch




 

Vita:
Fotografenausbildung und Tätigkeit 1982-86
Kameraassistent 87-90
Kameramann seit 1990
Fernsehreporter ab 2001
Eigene Film- und Videoproduktion 2009
Seminare für ev. Medienhäuser, djv und ard.zdf.Medianakademie


Kunden:
Gies & Heimburger
EBIKE Advanced Technologies
Momberger Group
Continental
Klinikum Frankfurt Höchst
Klinikum Offenbach
Stadt Frankfurt am Main
Deutsche Bank Business TV u.a.



Video und Bild: © Olaf Jahnke




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