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21.09.2017 - 13:40 Uhr

"Fotograf zu sein ist ein Privileg" - im Gespräch mit Fotograf Christian Abdank

BF: Hallo Herr Abdank. Schaut man sich Ihre Internetseite an, fallen gleich die vielen Jazzmusikerbilder auf.

Christian Abdank: Ich liebe die Musik, vor allem die Jazzszene. Für ein gutes Konzert fahre ich schon einmal fünfhundert Kilometer. Die Musikfotos mache ich vor allem aus Begeisterung, denn viel Geld kann man damit nicht verdienen. Die meisten Jazzmusiker haben ohnehin kein Geld, das sang ja schon Helge Schneider. Die Hingabe zu Musik und Kunst kommt durch meine Eltern. In meiner Kindheit in Dresden war ich täglich von Musik und bildenden Künsten umgeben. Damals in den 70er, 80er Jahren in der DDR waren Ausstellungen die einzige spannende Abwechslung. Einer der besten Freunde meiner Eltern war Matthias Creutziger, für mich der größte Jazzfotograf und mein Vorbild. Das war wohl der erste Kontakt zur Fotografie. Während des Zivildienstes habe ich zufällig einen Fotografen kennengelernt, über den ich zu einer Bildagentur gekommen bin und so von null auf hundert Konzerte fotografiert habe. Nach den ersten Titelfotos und einem immer größer werdenden Netzwerk an Redakteuren ging es damit immer weiter. Das Internet zum Publizieren gab es damals ja auch noch nicht. Von den Honoraren habe ich mir eine bessere Ausrüstung gekauft und neben Konzerten angefangen, alle möglichen Jazzgrößen zu fotografieren. Als Anfang 20-Jähriger war es für mich wie das Tor zur großen Welt. Ich kann mich noch genau erinnern, wie aufgeregt ich war, als Günter Grass vor mir stand.

 

BF: Wie würden Sie den Stil Ihrer Bilder beschreiben?

Christian Abdank: Meine Fotos sind eher stiller, nicht übertrieben aufregend. Das wird derzeit aber auch oft von Auftraggebern gewünscht. Auf meiner Homepage sieht man einen ganz guten Querschnitt meiner Arbeiten. Von meiner absoluten Leidenschaft, der Jazzfotografie über People-Fotografie bis hin zu freien Arbeiten. Die Hochzeitsfotografie kam dann vor einigen Jahren mit hinzu, als ich selber geheiratet und Freunde geheiratet haben.. Mein Fokus liegt dabei auf möglichst natürlichen, nicht gestellten Bilder. Die schwarz-weißen Musikerportraits machen aber eigentlich meine Arbeit aus. In ihnen steckt mein Herzblut.

 

BF: Sie sind ein Quereinsteiger und haben sich alles selbst beigebracht.

Christian Abdank: Absolut. Bevor ich mir mein erstes, eigenes Fotolabor angeschafft habe, musste ich zum Entwickeln immer nach Hamburg fahren. Auf der Zugfahrt habe ich dann immer Bücher über Fotografie gelesen und dann einfach ausprobiert, das umzusetzen.

 

BF: Sie sind in Dresden aufgewachsen, erst nach Stuttgart, dann nach Lübeck gegangen?

Christian Abdank: Genau, meine Eltern haben einen Ausreiseantrag in der DDR gestellt und sind 1984 rausgelassen worden. Intellektuelle passten nicht in den Arbeiter- und Bauernstaat, da Freidenkende eine Gefahr dargestellt haben. 1984 durften sie ausreisen. Wir sind dann nach Stuttgart gezogen, 1996 habe ich dort Abitur gemacht, ‘94 kaufte ich meine erste Spiegelreflexkamera. Von da an war für mich klar, dass ich Fotograf werden wollte.

 

BF: Hat dieser Teil Ihrer Biografie einen Einfluss auf Ihre Fotografie?

Christian Abdank: Als wir die DDR verlassen haben, war ich 9. Ich wurde aus einem intakten, sozialen Umfeld herausgerissen, wobei ich mich selbst als Kind in der DDR unfrei gefühlt habe. Ich musste als Viertklässler die gesamte Militärerziehung mitmachen, die mir damals schon widerstrebt hat. Vielleicht kommt mein Wunsch, freiberuflich tätig zu sein, auch gerade aus meiner DDR-Kindheit.

 

BF: Sie haben dann als Fotograf den Wechsel von analog zu digital mitgemacht. Wie war das bei Ihnen?

Christian Abdank: Ehrlich gesagt konnte ich mit der Digitalfotografie erst mal nichts anfangen. Zudem war es zu Beginn wahnsinnig teuer. Ich habe die Digitalfotografie anfangs nicht ernst genommen, dachte, dass das nur etwas für Sportfotografen sei. Aber sie wurde mit einem Schlag wichtig. Wie sicher viele andere Fotografen auch hatte ich damals keine Affinität zu Computern. Ich habe die Digitalfotografie lange ignoriert und den Zug verpasst. Es war nicht absehbar, was es für eine Dimension annimmt.

 

BF: Wie sind Sie wieder auf den Zug aufgesprungen?

Christian Abdank: Mein Bruder ist Grafikdesigner.Er hat mir dann eine simple Canon-Digitalkamera geschenkt. Damit habe ich dann Blut geleckt, das hat mir sofort gefallen und mittlerweile trauere ich dem Analogen überhaupt nicht hinterher. Es ist auch einfach ein schönerer Workflow. Ich muss nicht mit Chemikalien im Labor stehen, sondern sitze mit einer Tasse Tee an meinem Rechner.

BF: Was halten Sie von Instagram?

Christian Abdank: Ich bin unsicher, ob das einen Nutzen für mich hat, bin demgegenüber aber auch nicht feindlich eingestellt. Zum Teil sind die Bilder erstaunlich gut, aber die Masse der Bilder ist erdrückend. Ich frage mich schon, wie ich da mithalten kann. Der Austausch mit Menschen ist mir wichtiger, als meine Bilder im Internet zu streuen. Momentan konzentriere ich mich deshalb mehr auf Ausstellungen, wo ich in direktem Kontakt mit Menschen bin. Instagram erscheint mir sehr unpersönlich. Mir gibt es mehr, die Bilder in den Profilen bei Berufsfotografen anzuschauen und mich davon inspirieren zu lassen.

 

BF: Sie mögen den direkten Kontakt zu Menschen, was treibt Sie sonst noch in Ihrer Arbeit an?

Christian Abdank: Ich habe beim Fotografieren nicht das Gefühl nicht zu arbeiten. Einen Beruf zu haben, bei dem das der Fall ist, empfinde ich als Privileg. Ich kann mir auch nicht vorstellen, die Kamera mit 65 beiseitezulegen und die Füße hochzulegen. Ich fotografiere jetzt seit über 25 Jahren und habe fast täglich neue Ideen, lerne und entwickle mich weiter. Reich werde ich als Fotograf wohl nicht. Aber das gehört wohl mit zu dem Beruf.

 

BF: Geben Sie einen Rat an junge Menschen, die Fotograf werden wollen?

Christian Abdank: Tut es! Ich selbst hatte öfter Zweifel, weil es schon so viele Fotografen gibt. Aber jeder macht etwas Besonderes. Man muss durchhalten. Das würde ich jedem jungen Menschen raten. Begeisterung und ein starker Wille gehören auch unbedingt dazu. Ich würde jedem zu einer Ausbildung oder einem Studium raten, denn da lernt man die Grundlagen. Quereinsteiger haben es schwerer.

 

BF: Gibt es einen Auftrag, den Sie in guter Erinnerung behalten haben?

Christian Abdank: Eine Hochzeit, hier in Witzenhausen, war so schön, dass ich selbst emotional hin und weg war. Das Hochzeitspaar war dann auch begeistert von den Bildern, weil diese die intensive Stimmung widergespiegelt haben. Eine schöne Erinnerung ist natürlich auch die Zeit, in der ich sehr, sehr viel Musiker fotografiert habe.

 

BF: Was würden Sie sagen, wie behauptet man sich als Fotograf auf dem Markt?

Christian Abdank: Indem man ein Gespür dafür entwickelt, was der Kunde wirklich will. Der erste Moment ist wichtig und das persönliche Auftreten ist dann das eigentliche Tor zum Kunden. Die eigenen Möglichkeiten und Grenzen zu finden ist wesentlich. Ich biete niemanden etwas an, von dem ich glaube, es nicht zu können.

BF: Vielen Dank für das Interview.

 

Weitere Bilder von Christian Abdank findet man auf seinem BF Profil oder seiner Internetseite.

 

 

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