Fotografen Verzeichnis deutscher Berufsfotografen:

05.10.2017 - 15:00 Uhr

"Man muss raus aus der Komfortzone" - im Gespräch mit Fotograf Daniel Wagner

BF: Hallo Herr Wagner, als professioneller Fotograf machen Sie täglich Bilder, es gibt aber eines, dass eine Geschichte über Sie erzählt.

Daniel Wagner: Das ist ganz klar das Foto des Mannes, der über einem Sessel gelehnt ist. Dieses Foto ist gleichzeitig auch eines meiner Lieblingsbilder. Es ist im Grunde ein klassisches Modebild, bei dem ich das Licht so verändert habe, dass eine szenische Darstellung entsteht. Ich arbeite im Vorfeld oft mit einem Moodboard und entwickle daraus die Geschichte, aus der letztlich dann das Foto entsteht. Ich denke, am Treffendsten lässt sich meine Art der Fotografie als szenisch oder inszeniert bezeichnen. Dabei ist mir wichtig, dass die Bilder andere Menschen auch inhaltlich erreichen. Im kommerziellen Bereich ist das nicht immer einfach, aber ich versuche so gut wie möglich, die Brücke zwischen Kommerz und Kunst zu finden. Sicherlich wird dies aber wohl auch ein lebenslanger Prozess bleiben.

 

BF: Es scheint, als lieben Sie den künstlerischen Ansatz, sehen aber auch stark den kommerziellen Aspekt.

Daniel Wagner: Ja, einfach weil Geld am Ende des Monats da sein muss. Ohne das geht es nicht. Dafür muss man raus aus der Komfortzone oder auch einmal an einen Stadtwechsel denken.

 

BF: Das hört sich recht abgeklärt und realitätsnah an. War das bei Ihnen von Anfang an auch schon so? Wie sind Sie eigentlich zu diesem Job gekommen?

Daniel Wagner: Ich habe mich schon in der Schulzeit stark fuür Kunst interessiert, dachte daran, sogar Kunst zu studieren. Andererseits wollte ich ein Medium, ein Handwerk, wie die Bildhauerei, die Malerei oder die Fotografie erlernen, um mich auszudrücken. Damals war die Digitalisierung auf dem Vormarsch und mir erschien es spannend, mich einem digitalen Medium zu widmen und das ist dann natürlich die Fotografie geworden. Ich habe einfach angefangen zu fotografieren und mein fotografisches Wissen während des Studiums an der BTK Hochschule für Gestaltung vertieft. Nach und nach hat sich der Fokus auf die Menschenfotografie ergeben und letztlich ist dann die Mode- und Portraitfotografie mein Steckenpferd geworden. In der Modephotographie muss man aus der Masse herausstechen und viel wichtiger noch sich ein Team aus MakeUp Artists, Stylisten und Models zusammenstellen. Im Düsseldorfer Raum baue ich mir gerade ein Netzwerk in diesem Bereich auf.

 

BF: Sie sagten eben, dass Sie sich natürlich für die Fotografie entschieden haben. Wie kommt es, dass diese Wahl so selbstverständlich war?

Daniel Wagner: Meine Großmutter hinterließ mir ein wenig Geld, mit der Bitte es zum Zweck der persönlichen Entwicklung einzusetzen. Davon habe ich dann meine erste Kamera gekauft und angefangen, Bilder zu machen. Irgendwie fühlte es sich natürlich an, mich mit der Fotografie zu beschäftigen. Mit der Zeit entwickelte sich eine Selbstverständlichkeit, mein Leben und Menschen zu porträtieren. Dieser Weg war mir scheinbar vorgegeben.

 

BF: Wie haben Ihre Eltern auf diesen Wunsch reagiert?

Daniel Wagner: Meinen Eltern ist Sicherheit wichtig, somit waren sie verständlicherweise skeptisch gegenüber meiner Berufswahl. Es war mir immer schon klar, dass der finanzielle Ruin und das finanziell recht sorgenfreie Leben als Fotograf nahe bei einander liegen. Wenn man in der Branche heutzutage etwas erreichen will muss man hohe Ziele anvisieren. Meine Eltern haben mich schließlich dann doch während des Studiums immer unterstützt, egal, ob das Geld für die Miete knapp war oder ich einen inhaltlichen Rat brauchte. Mittlerweile haben sie sich auch an meine Wahl und die Umstände gewöhnt, sind vom raschen Erfolg sogar begeistert. Fotograf zu sein, bedeutet eben nicht, eine vorhersehbare Bankkauflehre zu machen.

 

BF: Liegt eine künstlerische Veranlagung eigentlich in Ihrer Familie? Sie haben einen Bruder.

Daniel Wagner: Mein Bruder ist das komplette Gegenteil von mir. Er ist zwei Jahre älter und hat einen Master in BWL absolviert. Er hat somit ein ausgezeichnetes mathematisches und naturwissenschaftliches Wissen. Die kreative Ader und das Feingefühl für Sprachen und Ästhetik in der Familie habe dafür ich mit auf den Weg bekommen.

 

BF: Wie wichtig war für Sie das Studium an der BTK?

Daniel Wagner: Letztlich hat mich das erst richtig zur Fotografie gebracht. Jedoch aus meiner heutigen Sicht wäre ein Studium gar nicht unbedingt nötig gewesen. Es ist heutzutage einfacher über soziale Medien bekannt zu werden als über den herkömmlichen Weg mit Studium und Auftragsarbeiten. Momentan kann ich nicht einschätzen, ob mich mein Bachelor of Arts in Fotografie nach vorne bringt. Ich habe in Paris für eine weltweit bekannte Fotografin gearbeitet und sie meinte zu mir, dass Assistenten, die einige Jahre bei ihr arbeiten, danach recht sicher im Business Fuß fassen. Das ist eine Möglichkeit, die auch in der Vergangenheit funktioniert hat. Neu sind Leute auf Instagram, die 150.000 Follower haben, damit Geld verdienen und Kamerafirmen als Sponsoren haben - auch wenn sie eigentlich aus einem Hobby gestartet sind.

 

BF: Meinen Sie, dass Instagram irgendwann uninteressant wird?

Daniel Wagner: Ich weiß es nicht. Ich habe geglaubt, dass auch Facebook seinen Reiz verliert, aber es geht weiter, auch durch den Kauf von Instagram. Die Instagramhelden haben mir beim Studium ein bisschen Sorge bereitet. Ich habe mir selbst eingeredet, dass das nicht lange anhält, aber einige sind seit Jahren damit erfolgreich. Man wird sehen, wie sich das zukünftig entwickelt.

 

BF: Stressen Sie die Fotografen, die sich vor allem über Social-Media vermarkten?

Daniel Wagner: Zum Glück habe ich einen Mentor gefunden, er ist 86 Jahre alt und lebt in England. Er war selbst Fotograf in New York, Mailand, Paris und München. Hat mit Irving Penn und Art Kane zusammen die Werbefotografie in den 50-70er Jahren neu erfunden. Mit ihm kann ich über diese Thematik reden. Er versteht nicht, warum ich Angst vor den Quereinsteigersternchen (auf Instagram) habe. Ich soll mich nicht davon kleinkriegen lassen. Für ihn sind die meisten Amateure mit kurzer Lebensdauer auf dem Markt.

 

BF: Viele Fotografen wollen sich nicht eingestehen, dass Quereinsteiger gut sein können. Das ist bei Ihnen anders.

Daniel Wagner: Wenn ich mir die Bilder von Amateuren auf Facebook anschaue, mit 500 Likes, die vielleicht 250 Euro pro Tag nehmen, dann denke ich oft: Verdammt, die Bilder sind gar nicht so schlecht! Diese Fotografen spezialisieren sich auf nur eine Sache, haben zum Teil gute Photoshoptechniken oder entwickeln ein Gespür für Farben und Filter und haben streckenweise eine gute Bildsprache, sowie niedrige Preise. Klar macht mir das Sorgen.

 

BF: Gibt es ein Erlebnis, welches sich bei Ihnen als Fotograf besonders eingeprägt hat?

Daniel Wagner: Ein eher unschönes Erlebnis hatte ich auf einem Assistentenjob in Venedig. Die Fotografin wollte den Mann in seiner Urform als Krieger zeigen und benötigte Tierkadaver. Ich durfte dann bei hochsommerlichen Temperaturen eine Schubkarre mit toten Schweinen vorbei an den ganzen Touristen über die Rialtobrücke schieben. Das hat sich in mein Gedächtnis bildlich eingeprägt. Darüber hinaus war die Zeit bei dieser Fotografin toll. Ich habe dann noch ein halbes Jahr mit ihr in Paris im Modebereich gearbeitet, dann mein Studium beendet und mich dafür entschieden, mein eigenes Ding zu machen. Die Arbeit bei ihr in der Modeszene hat mich darin bestätigt, meine eigene Richtung einzuschlagen. Ich lasse gerne Ideen in meinem Kopf entstehen, selbst wenn das Endergebnis dann anders aussieht. Genau das mag ich aber auch an der Fotografie: Man kann so viel planen, wie man will, am Ende bleibt es ein kreativer Prozess mit nicht immer voraussehbarem Ergebnis.

 

BF: Gibt es Bilder, die Sie in irgendeiner Art und Weise berühren?

Daniel Wagner: Sind es die Bilder oder die Menschen auf den Bildern? Ich bin ein Fotograf, der das Spontane in der Interaktion mit dem Model nutzt. Nie die Idee abreißen lassen, nie das Model in seiner Natürlichkeit stoppen, das finale Foto entwickelt sich stets weiter. Beim Shooting gibt es immer diesen Moment, wo ich durch den Sucher schaue und anfange mit der Person zu sprechen, zu kommunizieren. Ohne Worte und ohne Anweisungen. Nach genau diesem Moment fängt die Magie an und das spüre ich als Fotograf sogar auch dann noch, wenn ich mir in der Postproduction die Fotos anschaue.

 

BF: Finden Sie es leichter, mit Männern oder Frauen zusammenzuarbeiten?

Daniel Wagner: Viele Leute meinen zwar, dass die Arbeit mit Männern einfacher ist, alleine weil weniger Make-up verwendet wird. Ich habe anfangs viele Strecken mit Männern geschossen und somit auch mein Portfolio stark in diese Richtung verlagert. Viele Kunden sehen dies als Herausstellungsmerkmal, als Spezialisierung. In Zukunft werde ich aber ein Gleichgewicht anvisieren. Wichtig ist mir vor allem aber auch, dass ich mit Menschen arbeite, die mir sympathisch sind. Da unterscheide ich nicht nach Mann oder Frau.

 

BF: Wenn Sie an Ihr Leben denken, soll sich etwas ändern?

Daniel Wagner: Ich möchte weder meine Kreativität, noch meine Freiheit verlieren, möchte mich nicht einschränken lassen. Weder von Geld noch von Menschen. Letztlich finde ich es wichtig, grenzenlos meine Kreativität und Ideen zu erleben und inszenieren und vor allem mit meinen Arbeiten und Projekte kreative Menschen zusammenzubringen und durch einzigartige Fotostrecken meine ästethischen Werte zu verbildlichen.

 

BF: Vielen Dank für das Interview.

 

 

Weitere Bilder von Daniel Wagner findet man auf seinem BF Profil oder seiner Internetseite.

 

 

 

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