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12.03.2019 - 12:46 Uhr

Landschaftsfotografie als Beruf und Berufung - im Gespräch mit Fotograf David Köster

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BF: Hallo Herr Köster, Sie haben sich mit Landschaftsfotografie auf einen Arbeitsbereich in der Fotografie spezialisiert, der bei vielen in der Beliebtheit ganz oben steht. Allerdings haben die Wenigsten einen Weg gefunden, auch wirklich davon zu leben. Wie ist das bei Ihnen?

David Köster: In der Tat ist es nicht ganz einfach, mit Landschafts- oder Naturfotografie allein seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Fotografisch gesehen ist es bei mir eine bewusste Entscheidung für diese Nische. Landschaftsfotografie ist der Bereich in der Fotografie, für die mein Herz schlägt.

BF: Wenn man sich Ihre Webseite ansieht, hat man das Gefühl, dass Sie ziemlich alle Möglichkeiten ausreizen. Sie geben Kurse, arbeiten für Zeitschriften und Unternehmen, verkaufen Bilder und haben ein Buch veröffentlicht. War das alles von Ihnen geplant, oder hat es sich eher nach und nach ergeben?

David Köster: Das war tatsächlich ein Prozess, teils geplant, teils unvorhergesehen. Auf jeden Fall mit viel trial and error. Nehmen wir das Beispiel Workshops. Das hat sich dadurch ergeben, dass mich vor einigen Jahren ein Fotoreise-Veranstalter angesprochen hat, ob ich mir vorstellen kann, Workshops zu geben. Bis dato hatte ich das Thema Wissensvermittlung so gar nicht auf dem Schirm. Schlussendlich hat es dann so viel Spaß gemacht, dass ich dabei geblieben bin. So ist dann ein Bereich nach dem nächsten dazu gekommen.

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BF: Wie sind Sie eigentlich in die Fotografie gestartet, haben Sie eine handwerkliche oder schulische Fotoausbildung?

David Köster: Ich bin der klassische Quereinsteiger, der aus Liebe zur Fotografie zu dem Beruf gekommen ist. Mit allen Vor- und Nachteilen. Beibringen musste ich mir natürlich alles selber, vom Technischen über das Marketing bis hin zu Bildbearbeitung. Dafür konnte ich mir gewissermaßen Zeit und Muße nehmen. Bei jemandem, der eine Fotoausbildung absolviert hat und danach dann ausschließlich mit Fotografie Geld verdienen will, stellt sich das natürlich ganz anders dar.

BF: Wenn aus einem geliebten Hobby ein Beruf wird, führt dies nicht selten zu einer Frustration. Wie war das bei Ihnen?

David Köster: Die Leidenschaft zur Fotografie ist in jedem Fall geblieben, aber auch ich habe gemerkt, wie sich der Fokus schon deutlich verschiebt. Wenn ich anfangs einfach losgefahren bin und mich habe treiben lassen, plane ich jetzt viel stärker und oft auch unter dem Gesichtspunkt der späteren Vermarktung der Bilder. Durch die immer stärkere Professionalisierung hat sich bei mir vor allem die Struktur und die Arbeitsweise geändert. Ich denke aber, dass das ein ganz normaler Prozess ist, den auch viele andere Fotografen mit zunehmender Ambition durchleben, unabhängig davon ob sie mit der Fotografie Geld verdienen oder nicht. Auch ambitionierte Hobbyfotografen haben den Anspruch, möglichst gute Bilder zu fotografieren und planen und strukturieren Reisen und Shootings daher mit zunehmender Erfahrung.

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BF: Wo Sie gerade von Planung sprachen. Sie reisen ja relativ viel und oft sind das ja auch keine günstigen Reiseziele. Wie gehen Sie eigentlich mit dem Druck um, Bilder nach Hause bringen zu müssen, auch wenn das Wetter nicht mitspielt?

David Köster: Ich hatte das gerade in Thailand, wo ich tagelang völlig unerwartet im Regen stand. Natürlich ist dann ein gewisser Druck da, den es früher so nicht gab und der vor allem aus einem persönlichen Anspruch heraus herrührt. Mittlerweile versuche ich möglichst vieles im Voraus zu recherchieren und zu planen. Sei es die Auswahl und Prävisualisierung der Fotospots in Google Maps/Earth oder die Planung der idealen Tageszeit und Lichtbedingungen. Im Grunde genommen ist das ein virtuelles Location Scouting im Vorfeld. Wenn dann doch alles ganz anders kommt als geplant, versuche ich das Beste daraus zu machen und flexibel zu sein. So wie in Thailand: dann wurde eben aus der geplanten Bildstrecke am Sonnenstrand ein Urwald- oder Höhlenshooting.

BF: Wie lange hat diese Professionalisierung gedauert, wie viele Jahre beschäftigen Sie sich schon mit der Landschaftsfotografie?

David Köster: Ich fotografiere seit ca. 15 Jahren, die ersten Schritte in die Professionalisierung waren ungefähr vor 6 Jahren. Landschaften begeistern mich aber bereits wesentlich länger. Ich erinnere mich noch gut, wie ich als Kind stundenlang an der Ostsee stehen und fasziniert in die Weite schauen konnte. Oder mit Vorliebe Bücher mit alten Landschaftsmalereien (Caspar David Friedrich, William Turner & Co.) verschlungen habe.

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BF: Und wie sieht es eigentlich fotografisch bei Ihnen aus, reizen Sie auch andere Bereiche oder bleiben Sie der Landschaftsfotografie treu?

David Köster: Langfristig will ich der Landschaftsfotografie treu bleiben und mich dort weiter entwickeln. Zum einen gibt es noch so viele Orte, die mich interessieren und Ideen, die ich umsetzen möchte. Aber auch technisch und künstlerisch sehe ich noch viele Entwicklungsmöglichkeiten und neue Ansätze. Für die nahe Zukunft möchte ich mein Workshopprogramm ausbauen, ein zweites Buch ist in Planung und es gibt noch einige Zeitschriftenartikel zu schreiben. Als nächstes großes Fotoprojekt steht zudem Kamtschatka und einige andere osteuropäische Spots auf dem Programm für dieses Jahr. Somit bin ich mehr als ausgelastet.

BF: Wenn Sie neue Ideen wie das Buch oder Workshops haben, gehen Sie das eher spielerisch oder mit bestimmten Erwartungen an?

David Köster: Teils, teils. Natürlich kann ich vorher nicht sagen, ob etwas funktioniert oder nicht. Awards und Ausstellungen sind ein gutes Beispiel. Meine Bilder haben durchaus auch bei mehreren größeren Awards wie den ipa International Photography Awards gewonnen. Das ist einerseits schon hilfreich für die Vita und das Selbstmarketing, kostet aber auch Zeit und Geld. Und einen direkt ableitbaren Nutzen, zum Beispiel, dass eine Zeitschrift darauf Bezug genommen hätte, habe ich fast nicht gesehen. Ähnliche Erfahrungen habe ich mit Ausstellungen gemacht. Dafür laufen wiederum andere Bereiche wie meine Workshops oder Veröffentlichungen ganz gut. Somit teste ich einfach Sachen aus und sehe das als Lernprozess.

BF: Sie sind auch bei Freelens, was auf den ersten Blick eher weniger zu einem Landschaftsfotografen zu passen scheint. Wie kam das und wie sehen Sie das?

David Köster: Zum einen finde ich gut, dass Freelens sich für Belange von Fotografen einsetzt und auch Lobbyarbeit macht. Und auch wenn mein Portfolio sicherlich deutlich von einem typischen Freelens Fotografen abweicht, fühle ich mich dort repräsentiert. Zum anderen sehe ich mich nicht nur als reinen Fotografen, sondern auch als Bildjournalisten. Darunter verstehe ich, dass ich eben nicht nur Einzelbilder, sondern auch Bildstrecken, Reportagen und Fachartikel für Zeitschriften und Verlage erstelle.

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BF: Worauf führen Sie eigentlich Ihren Erfolg in der Landschaftsfotografie zurück? Ist der Quereinstieg vielleicht mit einer anderen Herangehensweise verbunden und hilfreich gewesen?

David Köster: Ich denke, es ist eine Mischung aus verschiedenen Aspekten. In erster Linie stehen natürlich die Bilder. Ich glaube, sie sollten es schaffen, die Menschen "mitzunehmen", also Emotionen zu wecken. Zum Beispiel den Wunsch hervorrufen, auch an die abgebildeten Ort reisen zu wollen. Solche Bilder sind dann natürlich auch für Firmen interessant, die damit Produkte oder Reiseziele bewerben möchten. Wichtig ist es aus meiner Sicht auch, nicht jeder fotografischen Mode hinterher zu rennen und einen eigenen, wiedererkennbaren Bildstil zu entwickeln.

Bei mir ist es die eher romantischere, malerische, oft auch mysteriöse Sichtweise. Ich bleibe dem auch technisch treu. Meine Bilder haben meist einen hohen Farb- und Dynamikumfang und eine große Tiefenschärfe. Schwarz/weiß zu fotografieren würde für mich hingegen nicht stimmig sein.

Fotograf zu sein und schöne Bilder zu machen ist allein aber auch nicht ausreichend, um erfolgreich zu sein. Sich ein Netzwerk aufzubauen, Kontakte zu pflegen und Unternehmer zu sein, gehört genauso dazu. Auch das Auftreten gegenüber seinen Kunden und Partnern ist für mein Dafürhalten wichtig. Dabei verlässlich und authentisch zu sein und weder zu defensiv noch zu übertrieben zu agieren, ist sicherlich hilfreich. Zum Thema Quereinsteiger: Ich habe eine wirtschaftliche Ausbildung und eine langjährige Berufserfahrung in der Unternehmenskommunikation gearbeitet. Von diesen Skills profitiere ich natürlich heute. Der Mix aus diesen Punkten macht dann meines Erachtens den Erfolg aus.

Weitere Arbeiten und Informationen über David Köster findet man auf seinem BF Profil und auf seiner Webseite.

Über seine neue BuchveröffentlichungDer Start in die Landschaftsfotografie“ (2019, Humboldt Verlag)“ kann man sich bei amazon (affiliate link) oder auf der Seite zum Landschaftsfotografie Buch informieren. 

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