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10.10.2017 - 13:12 Uhr

"Mein Interesse an Menschen treibt mich an" - Im Gespräch mit Fotograf Thomas Bönig

BF: Hallo Herr Bönig, Sie fotografieren hauptsächlich im People- und Portraitbereich. Haben Sie derzeit ein Bild, das Sie besonders beschäftigt?

Thomas Bönig: Ich habe vor Kurzem mit Freunden und Unterstützung des hiesigen Stadtmagazins das Projekt Hier bin ich Mensch initiiert. Wir erzählen darin die Geschichten von Geflüchteten mit aufwendigen Foto- und Videoaufnahmen. Wir wollten, dass die Menschen mit Fluchterfahrung in Nürnberg nicht in der anonymen Masse verschwinden , sondern sichtbar sind und von ihrem Leben erzählen. Darunter ist auch ein Bild von einem siebenjährigen syrischen Jungen, das ich besonders mag. Einfach weil der Moment schön war und es zeigt, wie ich mit Menschen umgehe.

 

BF: Was heißt das dann genau für Sie?

Thomas Bönig: Alleine Landschaften zu fotografieren, war nie mein Ding. Ich habe eine soziale Ader. Mir war es immer schon wichtig, Geschichten von Menschen zu erzählen. Ich wollte immer wissen, wie es im Leben anderer Menschen aussieht. Ich suche dabei das Spannende in der Geschichte jedes Menschen, um von diesen Dingen und Momenten zu berichten. Mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen und zu erfahren, was sie bewegt, ist typisch für mich.

 

BF: Das Projekt Hier bin ich Mensch hört sich richtig spannend und erfüllend an - wie kam es dazu?

Thomas Bönig: Der Auslöser war, dass an eine geplante Unterkunft für Menschen mit Fluchterfahrung in Vorra, ganz bei mir in der Nähe, Hakenkreuze und Schriftzüge al la “Wir wollen kein Asylat” geschmiert wurden. Das war nicht irgendwo, sondern gefühlt vor meiner Haustür im Nürnberger Land. Dabei ist Nürnberg, eine Stadt, die ich immer als eher alternativ empfand. Diese unterirdischen Anfeindungen empörten meine Freunde und mich. Auch störte mich, dass man selten Geschichten von einzelnen Menschen erfuhr. Das Projekt war dann der Versuch, ein mehr Akzeptanz und Verständnis zu schaffen. Statistiken mit Zahlen von Geflüchteten sind abstrakt, es ist deshalb leichter diese Zahlen abzulehnen und zu sagen, dass man keine “Flüchtlinge” will. Menschen, die man kennt, lehnt man nicht so schnell ab. Ich habe mich dann mit dem Blogger Johannes Modi und dem Kulturmagazin Curt in Nürnberg zusammengetan. Wir haben jeden Monat die bebilderte Geschichte eines anderen Menschen mit Flucherfahrung erzählt. Wir haben uns dafür sehr viel Zeit genommen. Die Familie von Joumard haben wir mehrfach vor dem Fototermin getroffen, um uns zu unterhalten und kennenzulernen. Aufgrund der ihrer Lebensgeschichte war das für uns emotional sehr fordernd. Der zeitliche Vorlauf notwendig, damit ein gegenseitiges Vertrauen entstehen konnte. Die Fotos haben wir dann im Studio aufgenommen. Wir wollten bewusst Aufwand betreiben, damit Joumard, seine Familie und alle am Projekt Beteiligten sich wichtig genommen fühlen und eine Stimme auf Augenhöhe bekommen.

 

BF: Planen Sie generell Ihre Shootings eher aufwendig?

Thomas Bönig: Wenn ich in kontrollierter Atmosphäre arbeiten kann, etwa bei Sportler- oder Musikerportraits, dann plane ich grundsätzlich sehr detailliert. Mein Team und mein Fotoassistent sorgen dafür, dass die Umsetzung dann reibungslos klappt. Bei Reiseaufnahmen hingegen genieße ich es, spontan zu sein. Das sind die beiden Extreme, nach denen ich arbeite.

 

BF: Was können Kunden, neben einer strukturierten Planung, von Ihnen erwarten?

Thomas Bönig: Ich versuche immer den Anforderungen der Kunden zu 100% gerecht zu werden. Ich bringe Erfahrung mit und denke voraus, ich weiß um die Schwierigkeiten in einem Projekt und versuche natürlich auch keine Budgets zu sprengen. Wenn es ums Fotografieren an sich geht, bin ich ein eher unaufgeregter Fotograf, auch wenn es stressig wird oder wenn sich die Kampagne im sechsstelligen Betrag bewegt und alles mehr oder weniger an mir hängt. Ich werde dann eher ganz ruhig und mache einfach, arbeite ab und verlasse mich auch auf mein Team.

 

BF: Auch wenn viele gerne die Ruhe selbst wären, schaffen es nur die wenigsten in Stresssituationen. Haben Sie schon immer in sich geruht?

Thomas Bönig: Am Beginn der Ausbildung habe ich nur Bettwäsche fotografiert, Wände gestrichen, das Set aufgebaut und war gestresst und unsicher. Ich habe dann auch für einen Fotografen gearbeitet, der völlig dem Klischee des gequälten Künstlers entsprach. Wenn etwas nicht funktionierte, machte er ein riesiges Drama daraus. Aber er sagte auch gern: It is not fucking brain surgery, it is just photography. Dieser Spruch hat sich bei mir eingebrannt. Wir retten in den seltensten Fällen mit unseren Bildern Leben. Es stirbt niemand, wenn wir einen Fehler machen.

 

BF: Das ist schön, wenn man diese innere Sicherheit hat. Sie sprachen gerade von Ihrer Ausbildung. Was sollten junge Menschen tun, die unbedingt Fotograf werden wollen?

Thomas Bönig: Ich habe das Funktionieren als Fotograf erst richtig während der Assistenzzeit gelernt, nach meiner Ausbildung zum Fotografen. Beim Assistieren lernt man innerhalb von extrem kurzer Zeit all das komprimiert, was man praktisch wirklich braucht. Man muss unter Druck sehr schnell lernen, um dann die Technik zu beherrschen, im Team zu arbeiten, sich zu organisieren und vor allem strukturiert und genau zu sein. Wichtig ist auch, dass man gerade als junger Fotograf seine eigene Motivation nicht von der Bestätigung von anderen abhängig macht.

 

BF: Gibt es Dinge, die Sie noch unbedingt lernen oder machen wollen?

Es gibt einige Menschen, Schauspieler und Künstler, die ich gern fotografieren möchte. Charaktäre – manchmal begegnen sie mir auf der Straße, manchmal in Filmen, oder in der Musik. Leider fehlt mir oft die Zeit, um Shootings zu organisieren oder auf Reisen zu gehen. Sich das Interesse an der Fotografie zu bewahren ist neben dem Geld verdienen wichtig. Und lernen würde ich gerne sehr viel mehr über Kommunikation, wie Menschen ticken, auf welchen Ebenen sie gerade miteinander reden und miteinander umgehen. Das ist ein großes Themengebiet und ich glaube, dass eine Auseinandersetzung damit sehr viel bringt.

 

BF: Würden Sie Ihren Kindern eigentlich den Beruf empfehlen?

Thomas Bönig: Ich habe noch keine Kinder, was ich Ihnen mitgeben möchte, ist eher eine Lebenseinstellung. Klar würde ich mich freuen, wenn sie Interesse für Fotografie hätten, aber viel wichtiger ist, dass sie rausgehen und einfach das machen, was sie wollen. Auch wenn Hindernisse auftreten nicht aufzugeben und an sich zu glauben, das würde ich meinen Kindern mitgeben wollen - und das Lernen wichtig ist, aktiv Fragen zu stellen, so viel, wie es nur geht.

 

BF: Sicher haben Sie eine gewisse Routine im Alltag, was motiviert Sie, immer weiter zu machen?

Thomas Bönig: Es sind wieder die Menschen. Mit der Kamera hat man eine Art Wildcard, um jegliche Bereiche des Lebens zu betreten. Wenn ich in eine Metzgerei gehe und den Meister frage, was sein Handwerk ausmacht, erzählt er mir bestimmt ein paar Dinge. Wenn ich den Laden mit einer Kamera betrete, dann haben die Leute das Gefühl, dass ihre Antworten einen höheren Sinn haben. Diese Möglichkeit dadurch so viel zu entdecken, hat man in vielen anderen Berufen einfach nicht. Die Menschen - ihretwegen stehe ich auf.

 

BF: Vielen Dank für das Interview.

Weitere Bilder von Thomas Bönig findet man auf seinem BF Profil oder seiner Internetseite.

 

 

 

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