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"Es geht nichts über ein persönliches Gespräch in der Agentur" - Ein Gespräch mit Sven Kurzweg über Ausbildung, Kundenakquise und die Zukunft der professionellen Fotografie



BF: Herr Kurzweg, sie haben sich 2001 in Filderstadt in der Nähe zu Mercedes mit einem Studio angesiedelt. War das eine strategische Entscheidung? Hat die räumliche Nähe gerade für Sie als Autofotograf Vorteile?

Sven Kurzweg: Da ich in der Gegend aufgewachsen bin und auch meine Ausbildung hier gemacht habe, war es naheliegend auch irgendwann hier ein Studio zu betreiben. Da man es hauptsächlich mit Agenturen als Kunden zu tun hat, spielt diese Nähe nicht so eine große Rolle.


BF: Sie haben eine handwerkliche Ausbildung in den Gaukler Studios absolviert und dann bis 2001 dort als Fotograf gearbeitet. Haben Sie in der Zeit auch mal etwas anderes als Autos gesehen? Wie war es für Sie, in so großen Studios zu arbeiten?

Sven Kurzweg: Natürlich lag der Schwerpunkt dort ganz klar in der Autofotografie und daher gab es eigentlich nur Fahrzeuge. Die Arbeit in diesen damals renommierten Studios war anstrengend aber auch sehr lehrreich. Durch die Größe waren die Aufbauten der Sets auch entsprechend groß und damals haben wir fast alles selbst gemacht. Schreinern, malern, zimmern und was sonst so alles nötig war.


BF: Wie haben Sie die Ausbildung in einem spezialisierten Studio empfunden? Gerade im Vergleich mit den anderen Fotoschülern, die wahrscheinlich in ganz anderen Studios Produkte und Passbilder machen mussten?

Sven Kurzweg: Allein die schiere Studiogröße und der Aufwand bis zum fertigen Foto ist mit nichts zu vergleichen. Im Studio genauso wie on location. Mir wäre es schnell langweilig geworden, wenn ich Tag ein Tag aus im Fotoladen gestanden hätte und am Wochenende Hochzeiten hätt knipsen müssen. Allerdings geht das auch nur, wenn man eine gehörige Automacke hat und nicht pünktlich um sechs zum Abendessen zuhause sein muss.


BF: War es damals schwer, an die Ausbildungsstelle heranzukommen und warum wollten Sie unbedingt in die Gaukler Studios?

Sven Kurzweg: Da die Studios in der Nachbarschaft waren, hat sich das eigentlich von selbst ergeben. Aus Ferienjobs und Schulpraktikum wurde dann schnell eine Ausbildungsstelle und somit wusste ich auch schon vorab, worauf ich mich einlasse.


BF: Ab 2001 waren sie dann selbstständig und haben 2006 ihr eigenes Autostudio eröffnet. Wie kam es dazu - das waren ja sicherlich enorme Investitionen?

Sven Kurzweg: Nach der Ausbildung habe ich über zehn Jahre als freier Fotograf für Gaukler gearbeitet. Als dann immer mehr Mitarbeiter die Studios verlassen haben, gab es für mich auch kein Halten mehr und ich habe mich ganz auf eigene Beine gestellt und im Anfang natürlich mit Mietstudios gearbeitet. Irgendwann war es einfach so weit, das erste eigene Studio zu betreiben.


BF: Wie sind Sie an Ihre ersten Jobs gekommen und wie ging es dann weiter?

Sven Kurzweg: Ich bin frech und fröhlich in die Agenturen gelaufen, habe meine Mappe gezeigt und so die ersten Jobs bekommen. Da ich immer die Priorität auf exzellente Qualität lege, waren die Kunden von Anfang an superzufrieden und so ging es immer weiter.


BF: Wie wichtig sind persönliche Kontakte in der Werbefotografie?

Sven Kurzweg: Wie in allen anderen Bereichen auch, sind in der Werbebranche persönliche Kontakte extrem wichtig. Ohne die geht so gut wie nichts. Netzwerken ist hier und heute mehr denn je angesagt, wenn man Erfolg haben will.



BF: Die Postproduktion nimmt einen immer wichtigeren Teil in der Kreation ein. Wie hoch schätzen Sie den Anteil der fotografischen Leistung bei einem Werbebild ein? Lassen Sie die Post immer von anderen machen?

Sven Kurzweg: Heutzutage, im Zeitalter der Digitalfotografie, haben wir zum Glück durch Photoshop und CGI eine riesige Werkzeugpalette zur Verfügung. Die Fotografie hat sich dahin gehend verändert, dass nach dem Foto die Postproduction kommt und man als Fotograf an dieser Stelle weitermacht, indem man Lookvorgaben und Postregie macht. Man arbeitet also sehr eng nach Erstellung des Bildmaterials mit der Postproduction zusammen, um letztendlich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln das Bild zu vollenden. Allerdings ist der Anteil, den der Fotograf hierbei hat, nicht weniger geworden, denn schließlich hat er die Idee im Kopf, die die Profis der Postproduction für ihn umsetzen.
Wer professionell arbeitet, macht die Post nicht selbst. Ein Formel Eins Pilot schraubt ja auch nicht an seinem Auto rum, sondern lässt das von Profis machen.


BF: Wie kann man sich als Fotograf heute möglichst unentbehrlich machen, so dass man möglichst oft gebucht wird?

Sven Kurzweg: Dafür gibt es grundsätzlich kein Rezept. Man muss exzellente Bilder abliefern und preislich reell bleiben. Unentbehrlich ist niemand und in der Werbung wirst Du schneller ausgetauscht, als Du "Pieps" machen kannst.


BF: Hat sich die Situation in den letzten Jahren verändert und falls ja, worauf führen Sie das zurück?

Sven Kurzweg: Durch die Digitalisierung hat sich alles geändert. Schneller, besser, billiger. Das ist die Devise. Leider vergessen viele dabei, dass es mit viel Arbeit verbunden ist, ein ausgezeichnetes Foto im Studio oder draußen zu erzeugen und dass es eben nicht damit getan ist, aufs Knöpfchen zu drücken und hinterher wild rumzuposten. Auch wenn das viele Leute glauben.


BF: Wie akquirieren Sie Kunden? Machen Sie Termine und gehen mit der Mappe vorbei oder haben Sie nur noch PDF und ein iPad zum Zeigen der Bilder? Wird die Mappe bei Agenturen immer noch gerne gesehen?

Sven Kurzweg: Am liebsten mache ich immer noch ganz old school Mappentermine. Es geht nichts über ein persönliches Gespräch bei nem Tässchen Kaffe in der Agentur. Das kann einem doch kein PDF und keine noch so knallige Website abnehmen. Auch das Blättern in einer Mappe, Bilder schön groß auf Kunstpapier gedruckt anzuschauen; das können weder Bildschirm noch Beamer vermitteln.


BF: Gibt es auch in Ihrem Bereich einen Preisdruck und falls ja, wie entgegnen Sie diesem?

Sven Kurzweg: Logisch gibt es den. Manchmal muss man eben mitgehen, allerdings zieh ich dann auch mal die Bremse. Es macht ja keinen Sinn bei einem Job draufzulegen, nur um den Job zu machen. Der versprochene Folgejob, bei dem dann alles besser wird, kommt sowieso nicht zustande. Und am Ende hat man sich selbst den Preis kaputtgemacht. Ergo: etwas nachgeben: JA. Billigschiene, bringt nix!


BF: Wann begann die Umstellung auf digital bei Ihnen und was hat das für Veränderungen mit sich gebracht?

Sven Kurzweg: Die Umstellung begann sofort mit den ersten Digitalkamerasystemen. Erst hat man parallel auf Dia produziert, da die Auflösungen noch unterirdisch waren und „niemals“ ans Dia rankommen würden. Heute sparen wir viel Zeit und Geld für Filme und Entwicklung, das wir dann wieder in teure Kamerasysteme und Computer stecken können :-D.
Dennoch müssen Produkte im Studio ausgeleuchtet werden, Sets gebaut und Locations gesucht werden, an denen dann produziert wird.


BF: Wie hat sich die Autofotografie in den letzten 10 Jahren verändert?

Sven Kurzweg: Es wird gepostet, was das Zeug hält und um noch schneller zum Bild zu kommen, wird speziell in der Automobilbranche gern der Trugschluss verkauft, dass mit CGI alles noch schneller und billiger geht. Allerdings findet hier eher eine Kostenverlagerung in andere Bereiche statt. Leider trägt diese Entwicklung dazu bei, dass es Fotografen immer schwerer fällt, Ihre Preise zu rechtfertigen und Jobs zu generieren.



BF: Haben Sie feste Assistenten, arbeiten Sie mit Praktikanten oder stellen Sie für jeden Job ein individuelles Team zusammen?

Sven Kurzweg: Ich fotografiere ja nicht nur Autos, sondern auch Modestrecken, Interieurs oder klassische Produktfotografie im Studio. Daher werden die Teams immer Aufgabenbezogen zusammengestellt. Allerdings greife ich meist auf Leute zurück, mit denen ich bisher gut zusammengearbeitet habe.


BF: Viele junge Menschen wollen Fotograf werden. Würden Sie zum Beruf in der heutigen Zeit raten?
Sven Kurzweg: Kein Kommentar ;-)


BF: Würden Sie rückblickend wieder eine handwerkliche Ausbildung machen oder eher ein Studium bzw über Praktika und Assistenzen lernen?

Sven Kurzweg: Eine solide Ausbildung ist sehr viel wert. Man lernt nicht nur fotografieren, sondern bekommt Einblicke in all die vielen Bereiche ums Fotografieren herum. Nach der Ausbildung geht man am Besten, wie in allen Handwerksberufen sonst auch, „auf Wanderschaft“, um sein Spezialgebiet zu finden.


BF: Machen Sie freie Projekte um Kunden zu akquirieren? Falls ja, in welchem Bereich?

Sven Kurzweg: Freie Projekte sind auch Teil der Akquise. Diese sind auf den jeweiligen Bereich abgestimmt. Ein Modekunde will ja Modefotos sehen und nicht die schicken Sportwagen.


BF: Die Zahl der Fotografen ist in den letzten Jahren extrem gestiegen - macht sich das in Ihrem Bereich bemerkbar? In welchem fotografischen Bereich kann man heute gut verdienen?

Sven Kurzweg: Sicher merkt man, dass viele junge Fotografen mitmischen und gute Bilder abliefern. Gute Verdienste sind sicher in allen Bereichen zu erzielen, wenn man Topqualität abliefert und sich gut positionieren kann.


BF: Glauben Sie, dass sich Qualität weiter behaupten kann? Oder wird man in Zukunft als Fotograf viel mehr nach Angebot und Nachfrage agieren müssen und auch mal Jobs in anderen fotografischen Bereichen annehmen?

Sven Kurzweg: Ich bin der Meinung, dass Qualität nach wie vor an oberster Stelle steht und dass niemand sich einen Gefallen tut, wenn er Dinge macht, die andere besser können. Auch mit „Billigangeboten“ macht man sich und allen andern nur die Preise kaputt. Da hat keiner was von.


BF: Heute wollen Auftraggeber oft vieles, aber möglichst wenig bezahlen. Denken Sie, dass man mit der Einstellung „Qualität braucht Zeit und kostet Geld“ zukünftig Jobs bekommt? Wie sollte man sich als Fotograf positionieren? Wie kann man es schaffen, sich von anderen abzuheben?

Sven Kurzweg: Sicher ist es in Zeiten der „Discountermentalität“ sehr schwer, jemandem zu vermitteln, dass hohe Qualität auch Geld kostet. Allerdigs kann man sich meiner Meinung nach oben positionieren, wenn man immer das Beste bietet, keine Fehler zulässt und immer flexibel bleibt, um das vermeintlich unmögliche möglich zu machen.


BF: Haben Sie einen festen Tagessatz oder variieren Sie je nach Auftraggeber und Art des Jobs? Wie handhaben Sie die Nutzungsrechte?

Sven Kurzweg: Natürlich habe ich eine festgelegte Preisgestaltung. Je nach Job und Kunde werden dann Tages- und Stundensätze oder auch mal der ein oder andere Pauschalpreis abgerechnet. Letzteres allerdings höchst selten. Die Nutzungsrechte gehen bei mir in der Regel als full buyout an den Kunden.


BF: Hat sich der Qualitätsanspruch der Auftraggeber in den letzten Jahren verändert?
Sven Kurzweg: Durch die vorhin angesprochene Vielfalt der Möglichkeiten in der Postproduction sind mit den Bildern natürlich auch die Ansprüche der Auftraggeber gewachsen.


BF: Wo sehen Sie sich in Zukunft als Fotograf und was denken Sie, wie die professionelle Fotografie in einigen Jahren aussieht?

Sven Kurzweg: Die professionelle Fotografie geht (hoffentlich) wieder ein wenig back to the roots. Ich glaube, dass man sich bald an all den geleckten CGI Bildern sattgesehen hat und wieder authentische Bilder sehen will. Echte Autos in echter Umgebung und nicht irgendein zusammengeschustertes Postflickwerk, das jeglicher Realität entbehrt.

BF: Vielen Dank für das Gespräch







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