Fotografen Verzeichnis deutscher Berufsfotografen:

BF: Herr Zaimoglu, sie sind Fotograf, Gründer und auch Dozent der Chicocihan Academy, einer Schule für Make-up und Fotografie. Sie sind in Berlin ansässig, im Vergleich zu namhaften Schulen wie beispielsweise dem Lette Verein scheint die Schule aber nicht ganz so bekannt zu sein. Seit wann wird die Fachrichtung Fotografie bei Ihnen unterrichtet? 
Cihan Zaimoglu: Die C-Academy gibt es seit 1995 und den Fotografiebereich seit 2005. Wobei Fotografie eigentlich schon immer dabei war, aber zunächst nur in einwöchigen Kursen.
Dass wir nicht so bekannt sind mag daran liegen, dass wir keine Werbung machen. Das läuft bei uns seit Jahren alles über Mundpropaganda. Zudem haben wir viele Schüler aus dem Ausland. Besonders aus Italien und der Schweiz.

BF: Wenn man sich Ihre Webseite anschaut, bekommt man den Eindruck, dass bei Ihnen sehr praktisch gearbeitet wird. Sie stellen für die Shootings ja auch Models zur Verfügung. Kann man Ihre Ausbildung mit einer Fotoassistenz vergleichen?
Cihan Zaimoglu: Nein, wie eine Assistenz kann man sich unsere Ausbildung nicht vorstellen. Es ist nämlich nicht etwa so, dass die Dozenten etwas produzieren und die Schüler zugucken. Im Gegenteil - nur die Schüler fotografieren. 
Wir haben insgesamt 18 Shootingtage in 6 Monaten, an denen die Schüler Modelle von uns zur Verfügung gestellt bekommen. Aber sie dürfen ihre Themen selber aussuchen und können sich austoben. Es gibt nur eine Bedingung: das Konzept, was uns der Schüler eingereicht hat, muss eingehalten werden. Und wenn er Hilfe benötigt, sind die Dozenten zur Stelle.

BF: Das Konzept Ihrer Schule unterscheidet sich stark von anderen Beispielen. Bei Ihnen läuft die Ausbildung zum Make-up Artist parallel zum Fotografenkurs und es wird eng zusammengearbeitet. Außerdem dauert die Ausbildung nur 6 Monate. Wie kam es zu dem Ausbildungsmodell?
Cihan Zaimoglu: Es hat mit meinem Background zu tun. Ich komme aus Istanbul. Dort gibt es einen ganzheitlichen Ansatz. Viele Fotografen machen auch Make-up, weil man die Kontrolle für diese gestalterische Komponente nicht abgeben will. 
Meine erste Schule habe ich damals in Istanbul gegründet. Das war inhaltlich Make-up für Fotografen. Weil ich immer zwischen der Türkei und Berlin hin und her gependelt bin, kamen dann auch die ersten Kurse in Berlin zustande. Am Anfang war das hier “Make-up für Models” und hat sich dann weiterentwickelt. Irgendwann wurde auch nach Fotografiekursen gefragt, so habe ich das mit eingeführt.

BF: Ich fand es ungewöhnlich auf Ihrer Webseite zu lesen, dass Ihre Ausbildung mit Retusche anfängt …
Cihan Zaimoglu: Sicherlich mag das ein anderes Vorgehen sein als anderswo. Es hat auch einen praktischen Sinn, denn wir sind verpflichtet, den Agenturen, mit denen wir zusammenarbeiten so schnell wie möglich ihr Bildmaterial zu liefern. Darum müssen die Schüler schnell in der Lage sein ihre Fotos nachzubearbeiten. Wir haben auch anfangs einen Make-up Kurs, wo gelernt wird, wie man Make-up retuschiert und wo was sitzen muss. Erst dann geht es los mit Fotografieren und dann sind die Schüler schon in der Lage im Bereich Retusche gute Ergebnisse zu erzielen. Wenn meinetwegen Dienstag der Shootingtag ist, bekommen die Agenturen spätestens 2 Tage später die Ergebnisse.

BF: Es scheint bei Ihnen eine starke Fokussierung zu geben. Ist es nicht ein relativ enger fotografischer Bereich, den Sie anbieten? Ein Fotograf beispielsweise, der lange Beautyaufnahmen fotografiert hat, kommt ins Schlingern, wenn er bei Tageslicht Peoplefotografie liefern soll. Besteht diese “Gefahr” bei Ihnen nicht auch? 
Cihan Zaimoglu: Es ist interessant, dass Sie das so einschätzen, denn bei uns wird bei Weitem nicht nur “Beauty” unterrichtet. Im Endeffekt sind alle Bereiche bei uns gleich verteilt. Jeder Schüler bekommt seinen eigenen Stundenplan. Wenn jemand überhaupt nichts mit Beauty zu tun haben will, sondern Produkte fotografieren will, dann macht der seine Shootings auch in dem Bereich. Wenn jemand sich auf Autos spezialisieren möchte, dann ist auch das möglich.

BF: Geht das nicht alles viel zu schnell mit 6 Monaten? Wie kann ein Blick auf die Fotografie entstehen in so kurzer Zeit? Schönes Licht im Studio ist eine Sache, aber sich inhaltlich mit einer Thematik auseinandersetzen eine andere.
Cihan Zaimoglu: Wir bieten eine intensive und effektive Ausbildung. Die Schüler sind von Montag bis Freitag jeden Tag neun Stunden hier. Darunter sind auch viele Theorietage. Außerdem arbeiten wir mit der Esmod-Modeschule zusammen und haben mit vielen Designern zu tun. Wenn die mit ihren Kollektionen zu uns kommen, sagen die ganz genau, was sie sich vorstellen und der Fotograf kann seine Ideen mit einfließen lassen.

BF: Können Sie bitte etwas über die Organisation der Ausbildung erzählen und wie bei Ihnen das Bewerbungsverfahren aussieht?
Cihan Zaimoglu: Chicocihan bietet nur Kurse von 6-monatiger Dauer im privaten Bereich. Fotodesign startet 4 Mal im Jahr. Wir haben 6 Teilnehmer pro Kurs und zwei Kurse laufen parallel.
Für die Bewerbung schauen wir uns die Bewerbungsmappen an und stellen fest, was jemand vorher gemacht hat und welchen Kurs er belegen möchte. Dann entscheiden wir, bei welchen Schülern die Ausbildung Sinn macht und die nehmen wir. Durch unsere Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit müssen wir stark selektieren, denn es kommt vor, dass uns Leute geschickt werden mit dem Hauptaugenmerk, dass sie aus der Arbeitslosigkeit herauskommen.
Wir haben ein persönliches Gespräch mit den Bewerbern und es gibt eine Warteliste. So haben wir das Glück, die Schüler in Klassen zusammenfassen zu können, in denen die einzelnen Charaktere harmonieren. Da haben wir aus der Vergangenheit gelernt. Denn wenn man eine Klasse von sechs Leuten nicht aufeinander abstimmt, kann das ganz schön Zündstoff geben.

BF: Es gibt viele Fotoschulen, gerade in Berlin sind die Ausbildungsmöglichkeiten im Medienbereich immens. Was unterscheidet Ihre Schule von anderen Schulen und weshalb kommen die Leute hierher?
Cihan Zaimoglu: Ich bin ein großer Fan von Schnelligkeit. Wenn die Studenten bereit sind, unter Zeitdruck zu lernen, dann sind sie bei uns richtig. Die Dozenten achten darauf, ob alle gut mitkommen und verfassen alle zwei Wochen einen Bericht über die Schüler. Falls jemand nicht mitkommt, überlegen wir uns was. Es kommt vor, dass jemand den Kurs noch einmal macht. Das muss auch nicht extra bezahlt werden.
Wir haben sehr viele Schüler von anderen Schulen, die abbrechen und zu uns kommen. Ich habe sie noch nie gefragt, warum. Aber ich lade Ausbildungsinteressenten ein, ein paar Tage bei uns zu sein und mitzuerleben, was hier passiert, ehe sie sich für die Ausbildung entscheiden. Wir nehmen uns die Zeit. 

BF: In der Fotografie hat sich Vieles getan seit der Entstehung Ihrer Schule. Was halten Sie für eine zeitgemäße Ausbildung?
Cihan Zaimoglu: Meiner Meinung nach, sollte ein Fotograf in der Lage sein, alle Bereiche abzudecken, die zur Fotografie gehören. In Deutschland macht oft jeder nur seinen Teil und ich finde das ein wenig bequem. In Ländern wie der Türkei oder auch Italien ist es anders. Derjenige, der das Ganze lenkt, wie der Fotograf es in seiner Rolle ja tut, könnte auch alles selber machen. Das ist wichtig, wenn jemand ausfällt. So kommt man trotzdem gut zurecht bis Ersatz gefunden ist. 
Wir haben hier ein unheimlich nettes Team, von dem jeder seinen Teil macht. Aber ich könnte es potenziell auch alleine machen: Ich selber mache unsere Webseite, ich könnte das Make-up selber machen und ich nehme hier auch manchmal den Staubsauger in die Hand, einfach weil ich das Ganze im Auge behalten will und nicht vergessen will, was alles dazu gehört.

BF: Wir haben heutzutage in der Fotografie viele Quereinsteiger und Autodidakten. Warum ist eine Schule Ihrer Meinung nach noch relevant und zukunftsfähig?
Cihan Zaimoglu: Das hängt ganz vom Charakter des Fotografen ab. Ein Fotograf mit einem starken Charakter braucht keine Schule. Jemand ohne starken Charakter braucht die Schule aber schon. Sie ist ein Gerüst, damit jemand nicht auf halber Strecke umkehrt und sagt: “Ich weiß nicht, vielleicht ist es ja doch nicht richtig”. 
Eine Schule ist dazu da ein Selbstwertgefühl aufzubauen. Schließlich muss man hinter den Arbeiten stehen können, die man produziert. Und ohne Schule stellt man sich immer wieder selbst die Frage, ob man es wirklich richtig macht. So etwas steht einem im Weg. 
Ich bemerke immer wieder den Unterschied bei neuen Fotoschülern. Am ersten Tag kommen sie ganz schüchtern hierher und ich freue mich immer sie nach vier Monaten schon ganz anders zu erleben. Sie geben sich dann selbstbewusst und kleiden sich sogar anders.
Ich habe schon viel gemacht, habe zum Beispiel auch schonmal beim Lette Verein unterrichtet. Das, was ich an Ausbildungsmodellen kenne, finde ich nicht mehr zeitgemäß. Dazu gehört stundenlanges philosophieren über Fotografie. Egal in welche Schule man geht, es wird unheimlich viel gequatscht, aber wenig Praxis gemacht. Dabei ist es einfach ein Handwerk, mit dem ich Geld verdienen möchte.

BF: Sie sprachen von Selbstwertgefühl. Das ist hilfreich, keine Frage. Welche Hilfestellung wird den Studenten fachlich gegeben, damit sie nach der Ausbildung Fuß fassen können?
Cihan Zaimoglu: Dafür haben wir den Branding-Bereich. Da geht es darum, wie man sich vermarktet. Man zeigt also, wer man ist und wie man sich “verpackt”. Die Optik muss passen. Man muss seinen Kunden unheimlich gut kennen und den eigenen Auftritt darauf anpassen. Das geht bis hin zum Small Talk, nämlich, welche Themen ich bei einem Termin anschneide und welche besser nicht. Branding haben wir auf dem Stundenplan am Anfang, in der Mitte und nochmal am Ende.
Außerdem sind unsere Schüler unheimlich viel draußen. Sie sind zum Beispiel auf jeder Fashion Week dabei und können sich da austoben, wie sie wollen. Ich will schließlich als Fotograf immer da sein, wo man sein muss. Man muss in dem Beruf schnell handeln und reagieren und unheimlich flexibel sein.
Es gibt viele, die denken, Fotografie sei Kunst. Aber Kunst ist etwas, was ich für mich mache. Etwas, das ich aufhänge und dann will das vielleicht jemand kaufen. Aber Fotografie ist eine Dienstleistung. Jemand kommt mit einem Produkt, das er verkaufen möchte und ich helfe dabei durch meine Fotografie. Das ist für mich so, als wenn jemand einen funktionellen Schrank für seine Wohnung bestellt. So funktioniert Auftragsfotografie.

BF: Vielen Dank für das Interview, Herr Zaimoglu.

Chicocihan Academy
Standort: Berlin
Ausbildungsdauer: 6 Monate
Ausbildungskosten: 
Abschluss:
Webseite: www.foto-masterclass.de

 

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