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Fotoschulen im Interview: f/16 Schule für Fotografie in Berlin

„Für eine Ausbildung ist das Internet keine geeignete Vermittlungsform.” - Henning Rupp, f/16 Schule für Fotografie

BF: Herr Rupp, Sie sind Gründer und Leiter der Schule f/16 Schule für Fotografie. Gerade in Berlin gibt es viele Ausbildungsmöglichkeiten in der Fotografie. Eine der jüngeren Schulen ist die "f/16 - Schule für Fotografie". Seit wann gibt es Ihre Schule?
Henning Rupp: Die Schule existiert seit 2010 als Anbieter von Fotografiekursen. Seit 2013 gibt es die Ausbildung zum Fotografen. Da sind wir jetzt im 2. Jahrgang.

BF: Was hat Sie dazu bewogen 2013 eine Ausbildungsstätte für Fotografie ins Leben zu rufen und was ist das Besondere an Ihrer Schule?
Henning Rupp: 2006 gab es die ersten Überlegungen. Ich hatte mir damals überlegt noch mal etwas Neues anzufangen und mein Know-how weiterzugeben. In der Ausbildungsordnung für den handwerklichen Fotografen ist die Analogfotografie ja irgendwann weggefallen. Außerdem ist eine Ausbildung mit zwei Richtungsschwerpunkten darin vorgesehen, aber nicht mehr alle Bereiche der Fotografie.

Ich denke aber, man kann einen Fotografen nicht spezialisieren, weil man nie weiß, was auf ihn zukommen wird. Es kommt nicht selten vor, dass man beispielsweise einen Auftrag als Industriefotograf hat und dann plötzlich auch noch Mitarbeiterportraits gebraucht werden. Darum kam mir die Idee, jenseits der handwerklichen Ausbildung eine Ausbildung anzubieten, die alle Aufgabengebiete eines Fotografen umfasst. Wo beispielsweise auch die Analogfotografie noch eine Rolle spielt. Sozusagen eine Wiedereinführung der klassischen Fotografieausbildung.

Wir haben eine große Dunkelkammer, eine Fachkamera und alles Equipment, was sich auf Analogfotografie ausrichtet. Vom Konzept der Schule her ist der Ansatz, erst mal das Handwerk mit den Grundlagen beherrschen zu lernen. Die Kamera als Handwerkszeug zu betrachten. Und den Anspruch zu vermitteln aktiv und bewusst als Fotograf zu arbeiten. Das Sehen lernen, sich mit Fotografie auseinandersetzen, erkennen, wo Stärken und Schwächen liegen.

BF: Wie kann man sich einen gewöhnlichen Tag an Ihrer Schule vorstellen?
Henning Rupp: Das kommt etwas auf den Jahrgang an. Im ersten Jahr gibt es natürlich viel Theorie. Der Unterricht läuft an 2 Tagen in der Woche, wodurch die Möglichkeit gegeben ist, auch nebenbei zu arbeiten. Einmal pro Woche gibt es einen Projektnachmittag, wo gemeinsam an verschiedenen angewandten Themen gearbeitet wird. Wir haben auch Kooperationspartner, für die wir arbeiten. Wir hatten beispielsweise ein Modeshooting am deutschen Theater. Schön sind immer praxisnahe Projekte, die den normalen Schulablauf unterbrechen.

Natürlich machen wir auch Ausstellungsbesuche, wie beispielsweise beim Monat der Fotografie, wo wir über die Bilder sprechen und auch über Präsentationsformen. Die Studenten arbeiten häufig in der Gruppe und es wird auch immer in der Gruppe diskutiert.

Ich lege sehr viel Wert darauf, dass die Studenten sich mit Bildern auseinandersetzen und zu eigenen Positionen finden. Es ist uns außerdem wichtig, dass die Schüler ein Projekt wirtschaftlich abwickeln können: Angebote erstellen, Rechnungen schreiben, ein Shooting organisieren und sich auch in der rechtlichen Organisation auszukennen. Bei uns wird testweise ein Businessplan erstellt, was die Studenten ermächtigt, auch später mal mit der Bank zu sprechen. Das alles hilft, später in der Lage zu sein, mit Fotografie auch Geld zu verdienen. Wir heben uns damit von anderen Schulen und auch klar vom universitären Bereich ab, wo diese Bereiche kaum behandelt werden.

 

BF: Sie haben das Arbeiten in der Gruppe erwähnt. Sicher einer der Vorteile einer schulischen Ausbildung. Was sagen Sie zu dem heute so verbreiteten „ Autodidaktentum” und das Lernen durch Internettutorials?
Henning Rupp: Im Internet wird viel Unsinn verbreitet. Vieles ist kopiert und Weniges fundiert. Tutorials stellen nur Ausschnitte dar für relativ spezielle Probleme. Wenn man etwas anguckt, kann man nicht selbst ausprobieren. Aber man kann nur lernen, wenn man etwas tut. Wenn man nicht weiterkommt, gibt es keinen Ersatz für jemanden, der neben einem steht und praktische Tipps gibt. Für eine Ausbildung ist das Internet keine geeignete Vermittlungsform.

BF: Können Sie etwas zu Ihren Studenten erzählen: sind das Schulabgänger oder haben viele schon in anderen Berufen gearbeitet? Und wie ist es an Ihrer Schule mit den Bewerberzahlen? Stellen Sie da eine große Konkurrenz mit den anderen Fotoschulen fest?
Henning Rupp: Es gibt eine relativ große Nachfrage an Fotografie. Wir hatten ja erst 2 Aufnahmezyklen. Im ersten Jahr hatten wir 20, im zweiten schon 30 Bewerber. Angenommen werden 12. Und wir sind noch eine junge Schule. Die Ostkreuzschule und die Neue Schule sind da sicherlich etablierter. Der Lette Verein als Traditionseinrichtung mit seinen hohen Bewerberzahlen ist zudem außen vor. Unsere Schüler sind von 21 bis Anfang 40. Die meisten haben Abitur oder haben schon vorher eine Ausbildung gemacht. Es gibt aber natürlich auch Berufswechsler.

BF: Wie wählen Sie die Studenten aus, für die Ausbildung geeignet sind?
Henning Rupp: Wir haben ein Bewerbungsverfahren, das ein Motivationsschreiben und einen Lebenslauf vorsieht, außerdem werden eigene Bilder eingereicht. Wir schauen, wie die Anwärter sich präsentieren und ob ein kreatives Potenzial vorhanden ist. Wir erwarten keine Perfektion, denn dann bräuchte man ja nicht mehr zu uns zu kommen. Wichtig ist eine Ernsthaftigkeit für die Sache.

BF: Wie kommt es, dass Sie in der heutigen Zeit einen so großen Wert auf die analoge Technik legen und welchen Abschluss erlangen Ihre Schüler?
Henning Rupp: Da wir eine nicht staatliche Schule sind, stellen wir unser eigenes Zertifikat aus, in dem qualifiziert beschrieben wird, was der Absolvent während seiner 3-jährigen Ausbildung erreicht hat. Gleichzeitig bereiten wir aber auf die Prüfung bei der Handwerkskammer vor. Es gibt an der Fotografeninnung ja auch Externenprüfungen. Wer also einen formalen Abschluss haben will, kann den zusätzlich erwerben.

Zu der Frage, „Warum analog?”, ist die Antwort: Weil ich dagegen bin, nicht mehr zu wissen, was man tut. In der digitalen Technik passiert ganz viel unsichtbar, weil es ganz viele Automatismen und Hilfsmittel gibt. Man hat einen Apparat, drückt darauf, dann hat man das Bild auf dem Rechner - der Prozess läuft unerklärbar und unkontrollierbar. Mir geht es aber um Kontrolle. Wenn man eine Vorstellung von einem Bild hat, muss man alles dafür tun, damit das Ergebnis an die Vorstellung herankommt. Im Analogen hat man viele Schritte, über die man genau nachdenken muss. Das ist ein bewusster fotografischer Prozess.

BF: Abgesehen von der Bewegung zum Digitalen, wie hat sich die Fotografie aus Ihrer Sicht sonst noch verändert?
Henning Rupp: Es hat sich viel zum Schlechteren verändert, weil jedermann in der Lage ist, relativ schnell ein Foto zu erzeugen, das aber nicht unbedingt gut hinkriegt. Dadurch gibt es eine Flut von qualitativ schlechteren Bildern und auch die allgemeine Gewöhnung an eine mindere Bildqualität. Alles wird oberflächlicher und egalisierter. Denken Sie an diese Filter beispielsweise von Instagram, durch die man immer wieder - egal von wem - gleich aussehende Bilder bekommt. Nach dem Motto: „sieht doch cool aus”. Das ist so einer Mode unterworfen.

Was ich auch sehe, ist, dass Bilder heute so viel bearbeitet werden, wodurch die Fotografie mehr zum grafischen Handwerk wird. Da entstehen Fotos, die wie gemalt aussehen. Dennoch bleibt Fotografie ein ganz wichtiges Medium und wird nach wie vor sehr geschätzt. Sie spielt eine große Rolle, wenn es darum geht, sich auf bestimmte Momente zu konzentrieren. In dieser Welt der bewegten Bilder lässt die Fotografie einen innehalten. Deswegen sind Ausstellungen auch immer sehr gut besucht. Die Leute interessieren sich wahnsinnig für das einzelne Bild. Gerade dann, wenn das Bild gut oder besser gemacht ist. Deshalb versuchen wir, die Qualität der Fotografie zu erhalten.

BF: Haben die Nachwuchsfotografen ein realistisches Bild von den Berufsaussichten oder sind sie vielleicht sogar bereits im Fotografiebereich tätig?
Henning Rupp: Ja, viele Schüler ergreifen Gelegenheiten, praktisch zu arbeiten. Wir kriegen viele Angebote von Firmen, von Modelabels und Anderen, die die Studenten nutzen. Es gibt auch Schüler, die selbstständig künstlerisch arbeiten. Ich versuche den Schülern zu vermitteln, dass es auf eine Selbstständigkeit hinausläuft, dass es kein leichtes Berufsfeld ist und man nicht unbedingt reich wird. Es gibt nur ganz wenige angestellte Fotografen. Bei den Studenten bildet sich mit den ersten eigenen Erfahrungen ein Bewusstsein.

BF: Wo sehen Sie die Chancen für junge Fotografen heute? Gibt es eine Art Leitmotiv, das Sie Ihren Schülern mitgeben ins Berufsleben?
Henning Rupp: Chancen werden immer in einem Bereich sein, der mit Werbung zu tun hat, wie Mode- oder Industriefotografie - also Bereiche, in denen Unternehmen noch bereit sind, Geld auszugeben. Ein zweiter wichtiger Bereich ist der Fotojournalismus, auch wenn er hart umkämpft und schlecht bezahlt ist. Wenn man da beweglich ist und sich immer an den Brennpunkten bewegt, kann man damit auch sehr erfolgreich sein.

Auch in der künstlerischen Fotografie liegt ein großes Potenzial. Das Interesse an Ausstellungen ist groß. Ein Leitmotiv für Nachwuchsfotografen wäre, ein klares Ziel zu haben und die Fähigkeit, genau das umzusetzen. Man muss ein Verhältnis zum Medium Fotografie finden. Es sollte somit einen Sinn geben. In der fotografischen Arbeit sollte es zudem auch immer eine Aussage und eine Haltung geben. Auch eine persönliche Beziehung zu dem Motiv sollte erkennbar sein.

BF: Vielen Dank für das Interview, Herr Rupp.

f/16 Schule für Fotografie
Standort: Berlin
Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Ausbildungskosten: 10 800 €
Abschluss: Ausbildungszertifikat,
Vorbereitung auf Fotografenprüfung bei der Handwerkskammer
Webseite: www.f16-schule.de


Henning Rupp





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