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Fotoschulen im Interview: Neue Schule für Fotografie in Berlin

„Das Verrückte ist ja, dass man nicht aufhört zu lernen.” - Marc Volk, Neue Schule für Fotografie

 

BF: Herr Volk, Sie sind Dozent für Fotografie an der Neuen Schule für Fotografie. Die Fotografie war ja schon immer ein beliebter Berufszweig. Aber heutzutage, wo professionelle Technik einfach zu bedienen und zudem noch sehr günstig geworden ist, sind die Einstiegshürden in den Beruf stark gesunken. Zudem gibt es eine Vielzahl an staatlichen und privaten Schulen für Fotografie. Wie sehen Sie diesen Markt? Gibt es mittlerweile sogar einen Wettbewerb unter den einzelnen Fotoschulen?
Marc Volk: Ich würde sagen, ja. Aber wenn es um eine qualitative Ausbildung geht, ist die Konkurrenz im Endeffekt gar nicht so groß. Die Fotografie ist schließlich kein homogenes Feld. Es gibt ja auch immer noch die Fotografie als klassischen Lehrberuf, aus dem häufig die Hochzeitsfotografen und die Fotografen in den Porträtstudios hervorgehen. Bei unseren Absolventinnen und Absolventen geht es eher in Richtung Mode- und Werbefotografie, journalistische und dokumentarische Fotografie und natürlich künstlerische Fotografie.

BF: Abgesehen von der Vielfalt des Berufsfeldes selbst, ist auch jede Fotoschule anders und setzt andere Schwerpunkte. Was ist das Besondere an Ihrer Schule?
Marc Volk: Wir ermöglichen eine sehr individuelle Ausbildung, die die Stärken des einzelnen Studierenden unterstützt. Technisch gesehen bieten wir eine sehr gute Ausstattung und eine sehr persönliche Betreuung, die gerade an Hochschulen so nicht gegeben ist. Bei uns sind höchstens 15 Studierende in einer Klasse. Im Vergleich zu anderen Schulen legen wir viel Wert darauf, dass unsere Studierenden alle Bereiche der Fotografie kennenlernen und die Chance haben herauszufinden, wo ihre persönlichen Neigungen liegen, bevor sie sich in einem Bereich spezialisieren.


BF: Wie können sich Studieninteressierte die Ausbildung vorstellen? Vielleicht können Sie einen typischen Tag in Ihrem Haus schildern.
Marc Volk: Bei uns gibt es neben der technischen Ausbildung eine Vielzahl weiterer Angebote, von Geschichte und Theorie der Fotografie bis zu den Grundlagen der Gestaltung. An den Unterrichtstagen, die von 10 bis 17 Uhr gehen, wird in allen Fächern gemeinsam praktisch gearbeitet, aber es werden auch zusammen die Arbeitsergebnisse besprochen. In Theorie und Geschichte der Fotografie findet eine Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Fotografie statt.

Wir besuchen auch Ausstellungen und es werden Referate gehalten, damit sich die Studenten mit anderen fotografischen Positionen auseinandersetzen. Im Fachunterricht der Grundklasse sind die Themen relativ scharf umrissen und eher an der Erlernung der Technik orientiert. In der Fachklasse werden sie dann größer gefasst. Das heißt, es gibt umfangreichere Themen, zu denen Bildserien entstehen und die beispielsweise auch in einem Layout bearbeitet werden. Im Hauptstudium beschäftigen sich die Studierenden hauptsächlich mit ihrem Abschlussthema und ihrer Abschlussarbeit.

BF: Wie viele Fotografiestudenten lernen derzeit bei Ihnen an der Neuen Schule für Fotografie und wie ist das Verhältnis von Bewerbern zu aufgenommenen Studenten?
Marc Volk: Wir haben in der Regel um die 100 Bewerber, die sich zwei Mal im Jahr für die Ausbildung bewerben können, im Frühjahr und im Herbst. Um eine neue Klasse zu bilden, werden maximal 15 aufgenommen. Insgesamt lernen derzeit ungefähr 100 Studenten bei uns. Wir haben circa 20 bis 30 Absolventen jedes Jahr.

BF: Bei so vielen Bewerbern fällt die Auswahl bestimmt nicht leicht. Was müssen die Studenten als Voraussetzung mitbringen, um bei Ihnen angenommen zu werden und wer bewirbt sich?
Marc Volk: Grundsätzlich dürfen sich alle Interessierten bewerben, die sich intensiver mit Fotografie beschäftigen möchten. Viele Studierende sind im Alter zwischen 24 und 30 und haben schon etwas anderes vorher gemacht. Wir möchten in der Bewerbungsmappe sehen, dass sie sich mit Fotografie auseinandergesetzt haben. Deshalb führen wir auch persönliche Auswahlgespräche. Wichtig sind uns ein ernsthaftes Interesse an der Fotografie und erste fotografische Grundkenntnisse. Für uns ist wichtig, dass die Studierenden dauerhaft mit Engagement studieren und wir gut mit ihnen arbeiten können.

Seit September letzten Jahres gibt es auch eine International Class, für die sich Studierende aus unterschiedlichsten Ländern bewerben. Ich glaube, der Standort Berlin spielt dabei eine große Rolle. Bei der International Class setzen wir ein bisschen höher an und erwarten Fähigkeiten, die dem Stand in der Fachklasse entsprechen. Häufig sind das Studierende, die teilweise auch schon als Fotografen ihr Geld verdienen. Auch haben wir einige, die schon an anderen Schulen studiert haben und in Berlin ihre Kenntnisse erweitern wollen.


BF: Das klingt nach einer Menge Aktivitäten. Mit dreieinhalb Jahren gehört die Ausbildung an der Neuen Schule für Fotografie ja auch zu den längeren Angeboten.
Marc Volk: Das stimmt und es ist trotzdem eigentlich zu kurz, um es ganz ehrlich zu sagen. Das Verrückte ist ja, dass man nicht aufhört zu lernen. Die Wahrnehmung differenziert sich. Nicht wenige unserer Studenten wollen für die Abschlussarbeit noch ein halbes Jahr mehr Zeit haben oder nehmen nach dem Abschluss anschließend noch an Seminaren und offenen Workshops bei uns teil.

BF: Wie sieht es denn mit der Ausstattung der Schule aus? Welche technischen und räumlichen Angebote können die Studenten bei Ihnen nutzen?
Marc Volk: Wir haben gute Werkstätten, zwei Studios und auch noch viel Analogtechnik. Dazu gehören zwei Schwarz-Weiß-Labore, die rege genutzt werden, weil die analoge Fotografie zur Zeit eine Renaissance erlebt, nicht so sehr im angewandten Bereich, aber im Studium. Wir halten es auch didaktisch für sehr sinnvoll, weil man die Fotografie dadurch viel besser versteht.

Die ganzen Anwendungen in Photoshop sind ja Anlehnungen an den analogen Prozess in der Dunkelkammer. Auch das Farbverständnis kann man im Farblabor sehr gut entwickeln. Es ist ja häufig so, dass Tätigkeiten, die man mit den Händen gemacht hat, viel besser „begriffen” werden, im wahrsten Sinne des Wortes. Außerdem haben wir einen gut ausgestatteten Computerraum, einen Druckerraum und die wunderschöne Galerie, in der regelmäßig fotografische Arbeiten unserer Studierenden gezeigt werden.

BF: Auf Ihrer Webseite bekommt man einen guten Überblick über alle Dozenten an der Neuen Schule. Arbeiten Ihre Kollegen neben der Lehrtätigkeit als Fotografen?
Marc Volk: Ja, das sind studierte Fotografen, die auch in dem Beruf arbeiten. Bertram Kober arbeitet in Leipzig und war Gründungsmitglied der Agentur „Punctum”. Er macht Werbung, Dokumentationen und arbeitet an eigenen Projekten. Eva Bertram und Eva Maria Ocherbauer arbeiten hauptsächlich als Künstlerinnen, haben beide aber auch viel Erfahrung im angewandten Bereich. Eva Maria Ocherbauer ist zudem international sehr gut vernetzt und veröffentlicht z.B. mit John Gossage und Martin Parr zusammen, um nur einige zu nennen.

BF: Sehe ich das richtig, dass jeweils einer Ihrer Kollegen eine Klasse betreut? Sind Sie nicht sehr unterschiedlich ausgerichtet?
Marc Volk: Wir sind in der Tat sehr unterschiedlich und das ist auch so gewollt, damit die Studenten verschiedene fotografische Positionen kennenlernen. Es gibt ein Curriculum, einen Lehrplan, an den wir uns halten. Im Basisstudium haben die Studenten die Möglichkeit, bei allen Kollegen zu studieren. Später dürfen sie sich aussuchen, bei wem sie ihre Abschlussarbeit machen wollen.


BF: Gerade dem universitären Bereich wird nachgesagt, dass die Praxis zu kurz kommt. Wie wird Praxiserfahrung bei Ihnen während des Studiums vermittelt?
Marc Volk: Wir legen einen hohen Wert auf die Praxis. Im Hauptstudium gibt es deshalb auch das Fach „Fotografische Praxis”. Da laden wir immer Fotografinnen und Fotografen aus unterschiedlichen Bereichen der Fotografie ein, aber auch Verleger, Kuratoren oder Galeristen. Es kommt auch ein Steuerberater, von dem die Studierenden lernen können, wie die finanzielle Seite funktioniert. Außerdem unternehmen wir gemeinsame Exkursionen, zum Beispiel nach New York, Afrika oder der Mexikoaustausch im letzten Jahr.

Manchmal unternehmen wir auch Tagesausflüge zu einer Ausstellung nach Halle, Dessau oder Leipzig. Zudem gibt es externe Jobanfragen, die an uns herangetragen werden, die wir zum Teil vermitteln. Manchmal kommt ein spannender Auftrag, wie neulich von einem Taschenproduzenten aus Bremen, der uns Taschen schickte. Wir konnten damit freie Modeserien fotografieren und die ausgewählten Bilder wurden auch honoriert. Unlautere Aufträge vermitteln wir aber nicht, weil wir kein Interesse daran haben, den Markt kaputtzumachen.

BF: Apropos Jobanfragen. Berlin ist ja längst nicht mehr so ein günstiges Pflaster. Wie finanzieren sich die Studenten ihr Studium?
Marc Volk: Sehr unterschiedlich. Manche haben Eltern, die es bezahlen. Manche haben sich Geld zurückgelegt und es gibt andere, die regelmäßig nebenbei arbeiten. Manche stehen nachts in der Spülküche und sitzen dann mit Augenrändern bei mir im Unterricht. Manche arbeiten aber auch schon richtig als Fotografen nebenbei.

BF: Meinen Sie, dass die Studenten ein realistisches Bild davon haben, wie es auf dem Arbeitsmarkt aussieht? Wie sieht typischerweise der weitere Weg der Absolventen nach dem Studium aus?
Marc Volk: Zum Teil würde ich fast sagen, dass das Bild der Studenten zu realistisch ist. Da macht sich keiner Illusionen. Sie wissen, dass es wahnsinnig schwer ist. Ich bin eher überrascht darüber, dass manche bei uns studieren, ohne den Anspruch zu haben, es wirklich schaffen zu wollen. Mit der Einstellung: Ich mach das jetzt für mich, weil ich es immer machen wollte. Das muss man sich erst mal leisten können. Ich finde das fast ein bisschen enttäuschend. Ich weiß, dass es schwer ist, aber der Markt ist eigentlich auch gewachsen. Wenn man sich ein bisschen stärker international orientiert, gibt es große Chancen.

Wir haben zum Glück einige Studierende, die es geschafft haben. Tobias Wirth ist zum Beispiel erfolgreicher Modefotograf. Patrick Budenz ist auf dem Kunstmarkt erfolgreich, genau wie Jakob Wierzba. Ulrike Brückner, die ihren Abschluss vor 7 Jahren an unserer Schule gemacht hat, ist inzwischen sogar Professorin in Dortmund.

BF: Wenn Sie sich Ihre Studenten so anschauen und Ihnen gegenüber die vielen Fotoamateure, die ihr Glück am Fotomarkt versuchen. Was halten Sie im Hinblick darauf in der Ausbildung der Nachwuchsfotografen für besonders wichtig?
Marc Volk: Das Nachdenken über Fotografie. Und das Nachdenken über Bilder und ob die Bilder das leisten, was man von ihnen erwartet. Ob sie angemessen sind für einen Auftrag. Außerdem ist es wichtig, zu lernen, wie man seine Stilmittel einsetzt. Wie man beispielsweise mit Schärfe oder Brennweite umgeht und welche Wirkung sie erzeugen. Die Schule bietet den großen Vorteil, die Bildergebnisse in der Klasse diskutieren zu können, was ich für wertvoll halte. Alle Studierenden setzen sich mit einem Thema auseinander - jeder auf seine Art - und dadurch haben sie die Möglichkeit, nach rechts und links zu gucken und sich auszutauschen. So kommen die Studierendem auch auf neue Ideen in der Fotografie. Das Problem von vielen Einzelkämpfern ist, dass sie zu wenig Resonanz und Kritik bekommen. In den Fotoforen im Internet geht es ja fast nur darum, ob ein Bild schön ist und gefällt. Aber eine wirkliche Auseinandersetzung mit der Thematik findet häufig nicht statt.

BF: Sie haben ja selbst einmal den Beruf des Fotografen erlernt. Außerdem beobachten Sie das Geschehen sicher sehr aufmerksam. Wo sehen Sie Gefahren auf dem Markt?
Marc Volk: Die Schwierigkeit ist, dass sich die Szene immer wieder erneuert. Mein Vater war früher Mode- und Werbefotograf in Stuttgart. Was ich damals schon beobachten konnte, war, dass manche sehr gut verdient haben und dachten, es ginge immer so weiter. Da darf man sich aber nicht täuschen. Es ist wichtig, seinen „Gemischtwarenladen” offen zu halten und sich nicht zu fein zu werden für kleinere Jobs.

Es besteht außerdem die Gefahr, dass man sich von einem Auftraggeber abhängig macht. Ich habe neben dem Studium angefangen, Geschäftsberichte für Banken zu fotografieren. Das gab mir die Möglichkeit, auch meine freie Arbeiten zu realisieren. Klar ist der Job hart. Es wird kaum passieren, dass man zu Hause sitzt und das Telefon von alleine klingelt. Man muss sich bewegen und sich beteiligen. Ein Absolvent der Fotografie sollte heute regelmäßig seine neusten Projekte zeigen und bei interessanten Wettbewerben mitmachen.

BF: Wo sehen Sie neue Felder, die man erschließen kann und Chancen für junge Fotografen?
Marc Volk: Chancen sehe ich besonders dann, wenn die Fotografen in der Lage sind, eigene Projekte zu verfolgen über einen längeren Zeitraum und diese dann zu vermarkten und anzubieten. Sei es ein Buchprojekt, das sie ausstellen oder in Magazinen unterbringen. Im nächsten Schritt kann es schnell passieren, dass es weitergeht mit Empfehlungen.

Es gibt Bereiche in der Fotografie, die immer gebraucht werden: zum Beispiel die Veranstaltungsfotografie. Ich habe das auch eine Zeit lang gemacht und musste feststellen, dass es gar nicht so viele Konkurrenten gibt, die das wirklich gut können. Die Auftraggeber sind in der Regel sehr froh, wenn sie mal jemanden haben, der gute Ergebnisse liefert. Auch Porträts müssen immer wieder fotografiert werden. Wer sich geschickt anstellt, kann seinen Lebensunterhalt nach wie vor mit Fotografie verdienen.



Kontaktdaten: Neue Schule für Fotografie
Standort: Berlin
Ausbildungsdauer: 3,5 Jahre
Ausbildungskosten: 11 550 €
Abschluss: Studienzertifikat
Webseite: www.neue-schule-berlin.com


Marc Volk






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