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Fotoschulen im Interview: Lazi Akademie in Esslingen am Neckar

„Nur durch’s Tun lernt man wirklich.” - Axel Schäfer, Lazi Akademie

 

BF: Herr Schäfer, Sie leiten den Bereich Fotografie an der Lazi Akademie, eine der ältesten Schulen für Fotografie in Deutschland. Der Beruf des Fotografen hat seit der Gründung der Lazi Akadmie im Jahr 1950 nie den Reiz verloren. Viele Menschen hegen als Berufswunsch, in der Branche tätig zu werden. Das ist für Fotoschulen natürlich ein lukrativer Markt. Gibt es eine große Konkurrenz unter den Fotoschulen?
Axel Schäfer: Ja, den gibt es. Aber die Konkurrenz ist rein faktisch: mit dem demografischen Wandel kommt weniger Nachwuchs, die Ausbilder sind aber nicht weniger geworden. Die meisten Bewerber haben 2 oder 3 Eisen im Feuer an unterschiedlichen Schulen und nehmen entweder das, was sie kriegen, oder das, was ihnen am Besten erscheint. Es werden immer weniger Leute, die sich für eine bestimmte Schule entscheiden.
Vor der Entscheidung, ob die Schule gut ist, kommt erst die Frage, ob die Schule billig ist. Da ist auch die Gegend entscheidend und was die Schulen bieten. Wobei ich glaube, dass die Leute das zu Anfang nicht wirklich verstehen können, was die Schulen wirklich bieten. Ich glaube der Beruf des Fotografen ist einer der klischeebehaftetsten Berufe, den es gibt. Vor allem durch Beispiele wie „Germanys Next Topmodel”, wo 8 Stunden Berufsrealität mal eben weggeschnitten sind. Dadurch entsteht eine Vorstellung, die mit dem Beruf größtenteils erst mal gar nichts zu tun hat.

BF: An der Lazi Akademie kann man neben Fotografie auch Grafikdesign und Film- und Mediendesign studieren. Arbeiten die Fachbereiche eng zusammen?
Axel Schäfer: Weil wir eine kleine Schule sind zwangsläufig schon. Für Fotografie haben wir 10-12 Plätze pro Semester. Ebenso für die Fachbereiche Grafikdesign und Film- und Mediendesign. Allein schon große Teile der theoretischen Unterrichte sind zusammen: Medienrecht, BWL, Kreativitätstraining und Photoshop sind für alle Bereiche wichtig. Die Grafikdesigner kriegen 2 Semester Fotografieunterricht. Die Filmer auch, denn das stehende Bild ist ein Stück weit Voraussetzung für das laufende Bild.

 

BF: Ich kann mir vorstellen, dass sich das Zusammenspiel der Bereiche ganz gut gegenseitig befruchtet. Was hebt Ihre Schule sonst noch von anderen ab?
Axel Schäfer: Also erst mal ganz klar unsere Ausrichtung auf Werbefotografie inklusive Food-, Stilllife-, Auto-, Produkt- und Modefotografie. Was uns noch besonders macht, ist unser Schwerpunkt auf Praxis. Das unterscheidet uns deutlich von den Hochschulen. Wir haben 10 Fotostudios - ein Großraumstudio und neun geschlossene Kleinstudios mit ca. 30 qm. Die Studenten bekommen nicht, wie das woanders häufig der Fall ist, eine Großaufgabe für das Semester, sondern sie müssen jede Woche eine Arbeit umsetzen. Dazu gibt es ein klares Briefing wie von einem richtigen Kunden, in dem genau klargestellt wird, was von Ihrem fotografischen Ergebnis erwartet wird.
Dabei geht es nicht darum ein schönes Bild zu machen, sondern ein Bild genau nach Auftrag zu machen. Denn nach unserer Sicht ist der Berufsfotograf ganz klar ein Dienstleister, der erfüllen muss, was der Kunde vorgibt. Dementsprechend lernen die Studenten, bis zum vierten Semester Auftragsarbeiten genau umzusetzen. Dann sind sie handwerklich schon recht gut und können sich eigenen Projekten stellen. Von da an briefen sie sich selber unter Rücksprache mit mir und entwickeln Bilder. Nicht nur konzeptionell, sondern immer von vornherein mit einer klaren Vorstellung, wie das fertig geschossen aussieht. Wenn der Fotografiestudent die Vorstellung am Ende erfüllt, dann ist das professionell. Das nennen wir dann „marktfähig”, d. h. wir würden das Foto so drucken ohne Veränderungen.

BF: Wie können sich Studieninteressierte den Ausbildungsalltag vorstellen? Wie ist das Studium aufgebaut?
Axel Schäfer: Es gibt Frontalunterrichte und meistens im Bezug darauf eine Aufgabe Woche für Woche. Da gibt es auch nicht nur einmal im Semester beispielsweise ein Foodthema, sondern mehrmals und jedes Mal sozusagen eine Evolutionsstufe höher. So kommt man zu 20 Bildern im Semester - jedes Mal eine neue Problemlösung. Jedes Mal wieder was gelernt, und zwar in der Praxis. An Fächern gibt es Gestaltung, Druck- und Medien, Werbelehre, Englisch, Kommunikationstraining, Kunstgeschichte, Konzeption, Kreativtraining, Medienrecht und BWL und wenn es gewünscht ist, auch noch 3-D-Animation. CGI ist im Aufbau, das wird in absehbarer Zeit kommen. Das Wichtigste überhaupt ist, dass meine Assistentin, eine professionell ausgebildete Fotografin, und ich in der Schule immer für die Leute in den Studios zur Stelle sind, um praktisch weiter zu helfen. Sodass man im Shooting nie mit einem Problem stecken bleibt. Wir sorgen dafür, dass die Studenten weiterkommen.

BF: Sie und Ihre Assistentin stämmen den gesamten Fotobereich?
Axel Schäfer: Ja, in der Praxis sind das wir zwei, aber nicht in der Theorie. Da ist zum Beispiel Guido Sonnenberg bei uns Photoshopdozent. Er ist selber über viele Jahre Bildbearbeiter und hat schon viele Bücher geschrieben. Dann haben wir noch einen ausgebildeten Fototechniker als Dozenten für Fototechnologie.

 

BF: Würden Sie sagen, dass eine Ausbildung in der praktischen Form, wie es an der Lazi Akademie praktiziert wird, die Assistenz bei einem Fotografen ersetzt?
Axel Schäfer: Jain. Die Assistenz bei einem Fotografen ist meiner Auffassung nach ein ganz wichtiger Teil einer guten Ausbildung. Einfach dieses Rumreisen und schauen, wie „Wasser zum Kochen gebracht wird”. Ich habe das selber gemacht und fand es eine sehr wertvolle Erfahrung. In der Assistenz lernt man aber auch, mit Leuten zusammenzuarbeiten und über lange Zeit Druck auszuhalten. Dieses typische Arbeiten können wir in einer schulischen Umgebung nicht weitergeben, deshalb empfehle ich eine Assistenz jedem.

BF: Ihre Beschreibung des Ausbildungspensums klingt ziemlich intensiv. Wie finanzieren denn die Auszubildenden ihr Studium? Bleibt Ihnen noch Zeit zum Arbeiten?
Axel Schäfer: Viele arbeiten nebenbei. Teilweise schon als Fotografen, aber auch in typischen Studentenjobs. Sie versuchen nebenbei auch zu assistieren, aber das kommt sich dann mit dem Stundenplan in die Quere, das stimmt. Die Eltern finanzieren auch oft mit und außerdem sind wir BAfÖG gefördert. Dann gibt es auch noch die Ausbildungsförderung von Banken.

BF: Sie haben ja vorhin schon sehr anschaulich beschrieben, was Sie an der Lazi Akademie unter „marktfähig” verstehen. Was ist ein gutes Foto?
Axel Schäfer: Da fragen Sie 10 Leute und kriegen 10 verschiedene Antworten. Deshalb arbeiten wir ja mit der klaren Ansage, die es dann zu erfüllen gilt. So ist die professionelle Leistung messbar. Der Geschmack ist dabei ziemlich egal. Für einen Berufsfotografen ist ein gutes Foto das, was er machen wollte und sollte. Das ist das Foto, das er dann verkaufen kann.

BF: Das scheint ein erfolgsversprechendes Rezept zu sein. Gibt es Studenten, die nach Abschluss Karriere gemacht haben?
Axel Schäfer: Einer, der grad wirklich von sich reden macht, ist J. Konrad Schmidt. Er hatte erst in der Profifoto ein „Portfolio” drin, in der „Digit” war er drin und 2014 hatte er eine Ausstellung im Louvre in Paris.

BF: Wie schätzen Sie den Markt im Unterschied zu früher ein? Welche Tendenzen und Tätigkeitsfelder für Fotografen sehen Sie kommen? Wie sieht es zum Beispiel mit Film aus?
Axel Schäfer: Gut, es ist schwerer geworden. Es tummelt sich sehr viel und die Leute, die sich tummeln, lernen auf die harte Tour, dass es doch nicht so ein leichter flippiger Job ist. Die einzige Chance, die ich sehe, ist eine exzellente Ausbildung, wie auch immer die passiert. Da gibt es verschiedene Wege, auch nach wie vor die Autodidakten, aber es ist ja nicht so, dass die nicht lernen. Die bringen es sich bei, indem sie von Fotograf zu Fotograf reisen oder so. Und dann gibt es die Lehre, wenn allerdings der Lehrherr nicht gut ist, dann wird es schwer. Es gibt die Uni. Die steht ganz klar für Kunst. Die möchten keinen Auftrag machen, die möchten freie Arbeiten machen. Das mit dem Film ist so eine Sache. Natürlich lernen die Studenten das bei uns auch. Ich denke, man muss sich da schon drauf spezialisieren, denn ich glaube die wenigsten Fotografen können den Film gleichzeitig zur Fotografie richtig gut anbieten. Wir als Fotografen sind Spezialisten für das Bild, aber nicht für Film. Schuster bleib bei deinen Leisten.

BF: Sie haben es gerade schon angesprochen, auf dem Fotomarkt tummeln sich immer mehr Autodidakten. Wenn Sie Ihre fundierte Ausbildung mit einem Selbststudium durch etwa Onlinetutorials vergleichen, wie sehen Sie den Sachverhalt?
Axel Schäfer: Onlinetutorials sind wie Fast-Food-Essen: Tüte aufreißen und fünf Mal umrühren, fertig. Bei einem Tutorial über Lichtsetzung haut es schon dann nicht mehr hin, wenn das Model ein anders geformtes Gesicht hat. Im Bereich Licht, Aufnahme, Setbau und Bildwirkung versagen Tutorials. Als Fotograf in einem normalen Set bin ich jede Sekunde ein Troubleshooter. Man muss kreativ reagieren können, wenn es wichtig ist. Das ist sonst ja wie Malen nach Zahlen - und das ist auch keine Kunst. Es sieht halt immer gleich aus. Nur durchs Tun lernt man wirklich. Das ist wie Zeichnen oder Musik machen: Ich kann 10 Mal einen Artikel über Musik lesen, aber dass meine Finger am Klavier das machen, was ich gelesen hab, funktioniert nur durch Üben. Also versetzen wir unsere Leute immer wieder in die Lage, dass sie üben. Ich kenne nicht viele Schulen, die das in der Intensität machen, wie es bei uns geschieht.

BF: Zum Abschluss noch eine letzte Frage. Wo sehen Sie heutzutage die Chancen und Risiken auf dem Markt für Fotografen?
Axel Schäfer: Man muss sehr hungrig bleiben und alles wahrnehmen, was an neuen Tendenzen kommt. 3-D-Fotografie war vor 4-5 Jahren in aller Munde. Es wurde prognostiziert, dass das bald jeder macht, aber heute kenne ich keinen. Ich bin mir nicht sicher, was mit der Lichtfeldfotografie passieren wird. Das steht auf der Kippe und wird gerade hochgejubelt. Ich kenne momentan aber auch keinen, der damit richtig arbeitet. Aber man muss solche Sachen im Auge behalten. Die Umwälzungen, die kommen werden, werden größer sein als die von analog zu digital, denn da hat sich außer des Aufnahmemediums eigentlich nichts geändert. Und an solchen Stellen sind die größten Schwierigkeiten und irgendwie auch die größten Chancen. Man sollte wach bleiben und sich an dem Beruf erfreuen. Denn es ist ein wunderschöner Beruf. Ein Beruf, der einem ein Leben lang im Prinzip etwas Neues bieten kann. Das Einzige, was er wohl nie bieten wird, ist Sicherheit. Aber ich rate, sich auf das Abenteuer einzulassen.

BF: Vielen Dank für das Interview, Herr Schäfer.

Lazi Akademie
Standort: Esslingen am Neckar
Ausbildungsdauer: 3 Jahre
Ausbildungskosten: 21 500 €
Abschluss: staatlich anerkannter Fotodesigner
Webseite: www.lazi-akademie.de

 

Axel Schäfer

 

 

 

 

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